Ratgeber › Noten und Prüfungen
Wie viele Tage vorher sollte man für eine Arbeit lernen?
Am Montag hat die Lehrerin gesagt: Freitag in zwei Wochen, Klassenarbeit, die ganze Unit. Du hast es ins Hausaufgabenheft geschrieben und dann gedacht: zwei Wochen, das ist noch lange hin. Dann war die eine Woche rum, und du hast gedacht, nächste Woche. Dann war Mittwoch, und du hast gedacht, Donnerstagabend reicht, hat es bisher ja auch. Jetzt ist Donnerstag, halb acht, und vor dir liegen vier Wochen Stoff, von denen du beim Durchblättern merkst, dass du nicht mehr weißt, worum es im ersten Kapitel ging.
Die kurze Antwort: Für eine normale Klassenarbeit beginnst du am besten sieben bis zehn Tage vorher, mit drei bis fünf Lerneinheiten, die über diese Tage verteilt sind, und die letzte davon liegt am Abend vor der Arbeit, kurz, zum Abfragen, nicht zum Neulernen. Das ist keine Faustregel aus dem Lehrerzimmer, sondern das Ergebnis der Forschung zum Abstandslernen: Für etwas, das in einer Woche abgefragt wird, ist ein Abstand von ein bis zwei Tagen zwischen den Wiederholungen optimal, für eine Prüfung in einem Monat ein Abstand von etwa einer Woche. Der Abend davor allein ist der schlechteste Zeitpunkt, den es gibt, nicht, weil zu wenig gelernt wird, sondern weil alles, was an diesem Abend gelernt wird, ohne Wiederholung in die Arbeit geht und ohne Schlaf nicht gespeichert wird. Woher die Zahlen kommen, wie es für kleine Tests, Klassenarbeiten und Abschlussprüfungen aussieht, wie ein Zehn-Tage-Plan läuft und was du tust, wenn es tatsächlich Donnerstagabend ist, erklärt dieser Text.
Woher die Zahlen kommen
Nicholas Cepeda und Kollegen haben 2008 eine große Studie mit über tausend Teilnehmern gemacht, in der sie genau das gemessen haben: Wie weit sollten zwei Lerneinheiten auseinanderliegen, wenn die Prüfung in einer Woche, in einem Monat, in einem Jahr ist? Das Ergebnis ist eine Regel, die sich merken lässt: Der beste Abstand zwischen den Wiederholungen beträgt etwa zehn bis zwanzig Prozent der Zeit bis zur Prüfung. Bei einer Arbeit in zehn Tagen sind das ein bis zwei Tage, bei einer Prüfung in zwei Monaten eine Woche. Kürzere Abstände bringen weniger, weil das Gehirn beim Wiederholen noch alles parat hat und nichts neu abrufen muss, und das Abrufen ist das Lernen. Längere Abstände bringen weniger, weil zu viel weg ist und man von vorn anfängt. Dazu kommt Hermann Ebbinghaus, der schon 1885 die Vergessenskurve gemessen hat: Ohne Wiederholung ist nach einem Tag etwa die Hälfte weg, nach einer Woche mehr. Jede Wiederholung flacht die Kurve ab, und nach drei bis vier Wiederholungen mit wachsendem Abstand bleibt das meiste. Das ist die ganze Theorie, und sie ist im Ratgeber Wie lerne ich richtig? Was die Forschung weiß ausführlicher erklärt.
Was daraus folgt, ist unbequem: Die erste Lerneinheit zu einem Thema liegt am besten am Tag, an dem es im Unterricht war, nicht am Tag vor der Arbeit. Zehn Minuten am selben Nachmittag, Heft zu, aufschreiben, was dran war, sind die billigste Wiederholung, die es gibt, und sie machen aus der Arbeit in zwei Wochen etwas, für das man nicht mehr neu lernt, sondern nur noch wiederholt.
Je nach Art der Prüfung
Ein Vokabeltest oder ein kurzer Test über die letzte Woche: drei bis vier Tage vorher anfangen, je Tag zehn bis fünfzehn Minuten, abfragen, am Abend davor noch einmal kurz. Mehr braucht es nicht, und wer die Vokabeln ohnehin mit Karteikarten im Fächersystem führt, braucht gar keinen Extratermin.
Eine Klassenarbeit über drei bis sechs Wochen Stoff: sieben bis zehn Tage vorher, drei bis fünf Einheiten von 25 bis 45 Minuten, mit Abständen von ein bis zwei Tagen, und einem freien Tag dazwischen. Die erste Einheit ist die, in der du den Überblick machst und findest, was du nicht kannst; die mittleren sind Abfragen und gemischte Aufgaben; die letzte am Abend davor ist kurz.
Eine Abschlussprüfung oder eine Klausur in der Oberstufe über ein halbes Jahr: vier bis sechs Wochen vorher, zuerst mit einem Abstand von einer Woche je Thema, in den letzten zwei Wochen enger. Und ohne Schulden: Wer in der Oberstufe erst vier Wochen vor der Klausur zum ersten Mal in die Unterlagen schaut, lernt nicht, sondern holt nach, und das ist etwas anderes. Wie lange am Tag, steht im Ratgeber Wie lange sollte man am Tag lernen?, und für die Prüfung selbst, Schlaf, Atmen, die ersten fünf Minuten, im Ratgeber Was tun gegen Prüfungsangst?.
Ein Zehn-Tage-Plan, der sich ausgeht
Die Arbeit ist am Freitag in der übernächsten Woche. Tag 1, Dienstag dieser Woche: dreißig Minuten, Überblick. Was steht auf dem Zettel der Lehrkraft, welche Kapitel, welche Aufgabentypen waren in den letzten Arbeiten? Dann Heft zu und aufschreiben, was du zu jedem Kapitel noch weißt. Was nicht kommt, ist deine Liste. Tag 3, Donnerstag: dreißig Minuten, das erste Drittel der Liste, abfragen statt lesen, Lücken im Buch nachsehen, noch einmal abfragen. Tag 5, Samstag: dreißig Minuten, zweites Drittel, und zehn Minuten das erste noch einmal. Tag 6, Sonntag: frei. Tag 8, Dienstag: vierzig Minuten, drittes Drittel, und alles davor einmal durch, mit Aufgaben aus dem Buch, gemischt, nicht nach Kapitel sortiert. Tag 10, Donnerstag, Abend davor: zwanzig Minuten, nur die Liste abfragen, keine neuen Dinge, dann Tasche packen und schlafen. Das sind zweieinhalb Stunden über zehn Tage, und sie bringen mehr als vier Stunden am Donnerstagabend, weil jede Einheit aus Abrufen besteht und zwischen ihnen Nächte liegen, in denen gespeichert wird. Wie so ein Plan in die Woche passt, ohne am Dienstag zu kippen, steht im Ratgeber Lernplan erstellen, der hält.
Warum der Abend davor nicht reicht
Nicht, weil man an einem Abend nichts lernen könnte. Man kann, und direkt nach dem Lernen ist das meiste da; das ist die Erfahrung, die alle machen und die das Pauken so verführerisch hält. Das Problem liegt in der Nacht und im Morgen. Was am Abend gelernt wird, muss in der Nacht gespeichert werden, und wer bis eins lernt und um sechs aufsteht, schneidet genau den Schlaf ab, in dem das passiert. Dann sitzt du in der Arbeit mit etwas, das sich am Abend wie Wissen angefühlt hat und am Morgen nur noch vertraut ist, und vertraut heißt, dass du es wiedererkennst, wenn es vor dir steht, aber nicht abrufen kannst, wenn das Blatt leer ist. Dazu kommt die Müdigkeit, die langsamer macht und Fehler erzeugt, und die Nervosität, die mit dem Gefühl, nicht vorbereitet zu sein, wächst. Das Pauken am Abend bringt deshalb oft eine Note weniger, als der Stoff eigentlich hergibt, und das ist der Preis, den man für das „hat bisher ja auch gereicht" bezahlt.
Wenn es trotzdem Donnerstagabend ist
Dann nicht vier Stunden. Zweimal 30 Minuten, mit Pause, und in beiden nur das, was am wahrscheinlichsten drankommt: die Aufgabentypen der letzten Arbeiten, die Beispiele, die die Lehrkraft an der Tafel hatte, die Formeln und Begriffe, die im Heft unterstrichen sind. Nicht das ganze Buch lesen, sondern Fragen beantworten, ohne nachzusehen, und dann nachsehen. Um zehn aufhören, egal wie weit, denn die Stunde Schlaf bringt mehr als die Stunde Stoff. Morgens am Frühstückstisch zehn Minuten die Liste durchgehen, nicht mehr. Und dann, nach der Arbeit, ehrlich mit dir: Diese Arbeit war der Preis für zwei Wochen Warten, und die nächste ist in drei Wochen angekündigt, und Tag 1 ist morgen.
Unterricht bewerten
Ob Lehrkräfte Arbeiten so ankündigen, dass zehn Tage Vorlauf überhaupt möglich sind, wie viele Arbeiten in einer Woche zusammenfallen dürfen und ob eine Schule ihren Schülern beibringt, wann man anfängt, steht in diesen Schul- und Lehrerbewerungen. Wenn deine Schule dort noch fehlt, kannst du der Erste sein, der es beschreibt.
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