Ratgeber › Noten und Prüfungen
Wie viele Punkte sind welche Note? Das Punktesystem der Oberstufe
Die erste Klausur in der Oberstufe kommt zurück, und unter dem Text steht keine Note, sondern „08 Punkte". Du weißt, dass 15 das Beste ist und 0 das Schlechteste, und dass 8 irgendwo in der Mitte liegt. Aber ist das jetzt eine 3? Eine 3 minus? Dein Bruder sagt, 8 Punkte sei eine solide 3, deine Mutter sagt, alles unter 10 sei schlecht, und beide haben irgendwie recht und irgendwie nicht.
Die kurze Antwort: 8 Punkte sind eine 3 minus. Das Punktesystem der Oberstufe übersetzt jede Note samt Tendenz in eine Zahl von 0 bis 15, und zwar in allen Bundesländern gleich, weil die Tabelle von der Kultusministerkonferenz stammt. 15 Punkte sind eine 1 plus, 10 Punkte eine 2 minus, 5 Punkte eine glatte 4, und ab 4 Punkten abwärts beginnt der Bereich, der im Abitur Probleme macht. Die Faustregel zum Umrechnen: Punkte gleich 17 minus dreimal die Note. Was die Zahlen bedeuten, wo die gefährlichen Grenzen liegen und wie aus Punkten am Ende eine Abiturnote wird, erklärt dieser Text.
Die Tabelle, einmal vollständig
Eine 1 plus sind 15 Punkte, eine 1 sind 14, eine 1 minus 13. Eine 2 plus sind 12 Punkte, eine 2 sind 11, eine 2 minus 10. Eine 3 plus sind 9 Punkte, eine 3 sind 8, eine 3 minus 7. Eine 4 plus sind 6 Punkte, eine 4 sind 5, eine 4 minus 4. Eine 5 plus sind 3 Punkte, eine 5 sind 2, eine 5 minus 1. Und eine 6 sind 0 Punkte. Die Faustregel 17 minus dreimal die Note liefert die glatten Werte: Für eine 3 ergibt sie 17 minus 9, also 8. Plus und Minus sind dann jeweils ein Punkt nach oben oder unten.
Das System hat einen Zweck, der sich erst beim zweiten Blick erschließt. Noten mit Plus und Minus lassen sich schlecht addieren, Punkte schon. Und das Abitur ist am Ende eine große Addition: Kurse über zwei Jahre, Prüfungen, alles in Punkten, zusammengezählt zu einer Gesamtpunktzahl, aus der die Abiturnote abgelesen wird. Deshalb ist in der Oberstufe nicht nur die Prüfung in Punkten, sondern jede Klausur, jede mündliche Note, jedes Halbjahreszeugnis.
Ein Unterschied zu früher ist wichtig: In der Mittelstufe war eine 4 minus noch eine 4, also ausreichend. In der Oberstufe sind 4 Punkte eine 4 minus, und 4 Punkte sind in fast allen Ländern die Grenze, unter der ein Kurs als nicht mehr ausreichend gilt. Die Mittelstufenlogik „eine 4 reicht" wird in der Oberstufe zu „5 Punkte reichen, 4 Punkte sind eine Warnung, 3 Punkte sind ein Defizit". Wer diesen Unterschied nicht kennt, wundert sich im zweiten Halbjahr der Einführungsphase.
Die Grenzen, die du kennen musst
Die erste Grenze liegt bei 5 Punkten. Das ist die glatte 4, der letzte Wert, der ohne Einschränkung zählt. Darunter beginnen die Defizite, in manchen Ländern Unterkurse genannt: Kurse mit 4, 3, 2 oder 1 Punkt. Solche Kurse dürfen ins Abitur eingebracht werden, aber nur begrenzt. Die Kultusministerkonferenz gibt vor, dass von den eingebrachten Kursen höchstens ein bestimmter Anteil unter 5 Punkten liegen darf, in der Regel sieben oder acht von vierzig, je nach Land, und in den Leistungskursen noch weniger, meist höchstens drei. Wer mehr Defizite hat, wird nicht zum Abitur zugelassen, egal wie gut die übrigen Kurse sind.
Die zweite Grenze liegt bei 0 Punkten. Ein Kurs mit 0 Punkten gilt als nicht belegt. Das klingt harmlos und ist das Gegenteil: Ein Kurs, der als nicht belegt gilt, fehlt in der Belegungspflicht, und wenn er ein Pflichtkurs war, ist die Zulassung zum Abitur gefährdet, nicht wegen der schlechten Note, sondern weil formal ein Baustein fehlt. 1 Punkt ist deshalb etwas völlig anderes als 0 Punkte, auch wenn beides eine 5 minus beziehungsweise 6 ist. Wer in einem Kurs auf 0 zusteuert, sollte mit der Oberstufenleitung reden, bevor das Halbjahr endet.
Die dritte Grenze ist eine Summe, keine einzelne Zahl. Für die Zulassung zum Abitur braucht man in den eingebrachten Kursen eine Mindestpunktzahl, meist 200 von 600 möglichen, und in der Prüfung selbst ebenfalls eine Mindestpunktzahl, meist 100 von 300. Das bedeutet im Durchschnitt 5 Punkte, also eine 4, in jedem Kurs und in jeder Prüfung. Wer dauerhaft darunter liegt, kommt nicht durch, und wer dauerhaft darüber liegt, hat das Abitur, so einfach ist die Rechnung am Ende.
Wie aus Punkten die Abiturnote wird
Das ist der Teil, bei dem viele die Formel suchen und keine finden, denn es gibt keine. Die Abiturnote wird nicht gerechnet, sondern aus einer Tabelle abgelesen. Zuerst werden die Kurse der Qualifikationsphase, also der letzten zwei Jahre, zusammengezählt: in den meisten Ländern 40 Kurse, die Leistungskurse doppelt gewichtet, bis zu 600 Punkte. Dazu kommen die Abiturprüfungen, meist vier oder fünf, jeweils vierfach gewichtet, bis zu 300 Punkte. Zusammen ergibt das eine Gesamtpunktzahl zwischen 300 und 900.
Und diese Zahl übersetzt die Tabelle in eine Note: 900 bis 823 Punkte sind die 1,0, 822 bis 805 die 1,1, und so geht es in Schritten von etwa 17 bis 18 Punkten weiter bis zu den 300 Punkten, die eine 4,0 ergeben. Eine 2,0 liegt bei 660 Punkten, eine 2,5 bei 570, eine 3,0 bei 480. Die Tabelle ist in allen Ländern dieselbe, nur die Einbringungsregeln davor, also welche und wie viele Kurse zählen, unterscheiden sich, und dort steckt der Unterschied zwischen einem bayerischen und einem hamburgischen Abitur, soweit es einen gibt.
Für den Alltag heißt das: Ein Abischnitt von 2,0 verlangt im Durchschnitt 11 Punkte, also eine 2, in allen Kursen und Prüfungen. Eine 1,5 verlangt rund 12,5 Punkte, also 2 plus bis 1 minus. Die 1,0 verlangt im Schnitt 13,7 Punkte, also in fast allem eine 1. Wer in der Einführungsphase auf 8 Punkten steht, ist auf dem Weg zu einem Abitur um 3,0, und das ist ein Abitur. Die Vorstellung, dass alles unter 10 schlecht sei, ist die Perspektive von jemandem, der die 1 vor dem Komma will. Die Vorstellung, dass 8 Punkte solide seien, ist die Perspektive von jemandem, der das Abitur will. Beide stimmen, und deshalb hatten Bruder und Mutter beide recht.
Was anders ist als in der Mittelstufe
Erstens: Jedes Halbjahr zählt für sich. In der Mittelstufe konnte ein starkes zweites Halbjahr ein schwaches erstes ausgleichen, und die Jahresnote war eine pädagogische Gesamtbewertung, wie der Ratgeber Wie wird eine Zeugnisnote berechnet? erklärt. In der Oberstufe bekommt jedes Halbjahr seine eigene Punktzahl, und die steht fest, sobald das Halbjahr vorbei ist. Ein schwaches Halbjahr verschwindet nicht, es wird höchstens nicht eingebracht, wenn die Regeln das erlauben. Zweitens: Die Gewichtung zwischen Klausuren und mündlicher Mitarbeit ist in der Oberstufe fester vorgegeben, in Nordrhein-Westfalen etwa gleich, in Bayern mit doppelter Gewichtung der Klausuren, und der pädagogische Spielraum ist kleiner, weil die Punkte direkt ins Abitur gehen. Drittens: Eine Kursnote, mit der du nicht einverstanden bist, musst du sofort anfechten, nicht erst beim Abitur, weil sie mit dem Halbjahreszeugnis bestandskräftig wird. Was dann gilt, steht im Ratgeber Was tun, wenn ich unfair benotet werde?.
Und viertens, das Wichtigste für die Planung: Die Einführungsphase, also das erste Jahr der Oberstufe, zählt in den meisten Ländern nicht fürs Abitur. Sie entscheidet über die Versetzung in die Qualifikationsphase, aber ihre Punkte werden nicht eingebracht. Das ist das Jahr, in dem du ausprobieren kannst, welche Fächer tragen und welche nicht, bevor es zählt. Wer das weiß, wählt seine Leistungskurse nicht nach dem Fach, das ihm am meisten Spaß macht, sondern nach dem, in dem er über zwei Jahre zuverlässig 11 Punkte holt.
Was hier steht, ist keine Rechtsberatung, und die Einbringungsregeln, Defizitgrenzen und Mindestpunktzahlen stehen in der Oberstufenverordnung deines Landes, die sich ändert; deshalb trägt dieser Artikel oben ein Datum. Die Umrechnungstabelle selbst ist seit Jahrzehnten stabil. Welche Abschlüsse die Oberstufe am Ende vergibt und was Fachabitur von Abitur unterscheidet, erklärt der Ratgeber Abitur oder Fachabitur.
Zurück zur ersten Klausur. 08 Punkte, eine 3 minus, über der Grenze, im Mittelfeld, ein Wert, mit dem man ein Abitur baut, wenn man ihn hält. Wie eine Oberstufe ihre Schüler durch diese zwei Jahre begleitet, ob dort jemand erklärt, was Defizite sind, bevor es zu spät ist, oder ob man es im Januar der Zwölften zum ersten Mal hört, steht in den Erfahrungsberichten von Schülern und Eltern auf Schulerfahrung.com. Wenn deine Schule dort noch fehlt, kannst du der Erste sein, der es beschreibt.
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