Ratgeber › Noten und Prüfungen

Wie viele 5er darf man auf dem Zeugnis haben?

Es ist Mai, der blaue Brief liegt seit zwei Wochen in der Küche, und du hast angefangen zu zählen. Mathe steht auf 5, Französisch auf 5, Physik wackelt zwischen 4 und 5. Alles andere ist in Ordnung, Englisch sogar auf 2. Und jetzt die Frage, die in jedem Klassenzimmer irgendwann gestellt wird und die jeder anders beantwortet: Wie viele Fünfen darf man eigentlich haben?

Die kurze Antwort: Eine 5 immer, zwei Fünfen mit Ausgleich, drei Fünfen nie. So lautet die Grundregel, die in allen Bundesländern in ähnlicher Form gilt. Der Teufel steckt im Wort „Ausgleich", denn ob deine zwei Fünfen ausgleichbar sind, hängt davon ab, in welchen Fächern sie stehen, welche guten Noten du dagegensetzen kannst und welche Fächergruppen dein Land unterscheidet. Für die drei Fächer vom Anfang heißt das: Mit Mathe und Französisch auf 5 brauchst du eine 3 in einem anderen Hauptfach, und Englisch auf 2 liefert sie dir. Wenn Physik dazukommt, hilft kein Ausgleich mehr. Dieser Text erklärt die Rechnung so, dass du sie im Mai selbst machen kannst, und zwar für den Fall, der zählt: das Jahreszeugnis.

Eine 5: nichts passiert

Eine einzelne 5 auf dem Jahreszeugnis ist in jedem Bundesland und in jeder Schulform unschädlich. Sie braucht keinen Ausgleich, egal ob sie in Mathe oder in Kunst steht. Der Grund ist die Definition der Note: „Mangelhaft" heißt nach der Vereinbarung der Kultusministerkonferenz, dass die Leistung den Anforderungen nicht entspricht, die Grundkenntnisse aber vorhanden sind und die Lücken in absehbarer Zeit zu schließen sind. Wer eine solche Lücke hat, kommt im nächsten Jahr voraussichtlich mit, und genau das ist die Frage, die die Versetzung beantwortet. Warum das so ist und was eine 6 davon unterscheidet, beschreibt der Ratgeber Kann man wegen einer 5 sitzenbleiben? ausführlich. Hier geht es um das, was danach kommt: das Zählen.

Zwei Fünfen: die Ausgleichsrechnung

Ab der zweiten 5 beginnt die Versetzungsordnung zu rechnen, und die Rechnung hat drei Schritte. Der erste ist die Fächergruppe. Fast alle Länder teilen die Fächer in zwei Gruppen: Die erste enthält Deutsch, Mathematik und die Fremdsprachen, oft ergänzt um ein weiteres Fach je nach Schulform und Stufe, etwa Physik oder Chemie in der gymnasialen Mittelstufe oder das Profilfach der Realschule. Die zweite Gruppe enthält alles andere. In Nordrhein-Westfalen heißen die Gruppen Fächergruppe I und II, in Niedersachsen wird zwischen Kernfächern und übrigen Fächern unterschieden, in Bayern zwischen Vorrückungsfächern und den Fächern, die fürs Vorrücken nicht zählen. Wo deine Fünfen stehen, entscheidet, womit du sie ausgleichen darfst.

Der zweite Schritt ist die Ausgleichsnote. Als Grundregel gilt: Eine 5 wird durch mindestens eine 3 in einem anderen Fach ausgeglichen, in manchen Ländern auch durch zwei Vieren, und eine 5 in der ersten Fächergruppe nur durch ein Fach derselben Gruppe. Eine 5 in Mathe gleicht man also mit einer 3 in Englisch oder Deutsch aus, nicht mit einer 2 in Sport. Eine 5 in Erdkunde dagegen mit fast jedem Fach. Dazu kommt in einigen Ländern die Regel, dass ein Fach nur einmal zum Ausgleich dienen darf: Die 2 in Englisch rettet entweder Mathe oder Französisch, nicht beide. Für den Fall vom Anfang bedeutet das: Mathe 5 und Französisch 5 sind beide in der ersten Gruppe, du brauchst zwei Ausgleichsfächer aus der ersten Gruppe mit mindestens 3, und wenn Englisch auf 2 und Deutsch auf 3 steht, hast du sie. Steht Deutsch auf 4, fehlt einer.

Der dritte Schritt ist die 6. In fast allen Ländern zählt eine 6 wie zwei Fünfen, und in vielen ist sie ohne Ausgleich ein Grund für die Nichtversetzung. Eine 6 in Mathe plus eine 5 in Französisch entspricht damit drei Fünfen, und das ist der Punkt, an dem keine Ausgleichsregel mehr hilft. Wer im Mai auf einer 6 steht, muss zuerst die 6 zu einer 5 machen, bevor sich das Zählen überhaupt lohnt.

Drei Fünfen: nur noch die Ausnahmen

Drei Fünfen auf dem Jahreszeugnis bedeuten in jedem Bundesland, dass die Versetzung nach der Regel nicht möglich ist. Was dann bleibt, sind drei Ausnahmen, und alle drei hängen vom Land ab. Die erste ist die Nachprüfung: Wer durch eine bessere Note in genau einem Fach versetzt wäre, kann in vielen Ländern in den letzten Ferientagen eine Prüfung in diesem Fach ablegen. Bei drei Fünfen reicht das selten, weil eine Prüfung nur ein Fach rettet, aber wenn zwei der Fünfen ausgleichbar sind und nur die dritte stört, kann es funktionieren. Die zweite ist der Konferenzbeschluss: In Niedersachsen und einigen anderen Ländern kann die Klassenkonferenz trotz fehlenden Ausgleichs versetzen, wenn sie erwartet, dass der Schüler im nächsten Jahr erfolgreich mitarbeitet, etwa nach einer langen Krankheit. Die dritte ist das Vorrücken auf Probe, das Bayern kennt: Du gehst hoch und musst bis zu einem Stichtag zeigen, dass du mitkommst.

Und dann gibt es die Länder, in denen die ganze Rechnung anders läuft. Hamburg hat die Nichtversetzung an Stadtteilschulen und Gymnasien bis Klasse 10 abgeschafft, dort gibt es bei Fünfen verpflichtende Förderung statt Wiederholung. Berlin und Brandenburg haben das Sitzenbleiben stark zurückgedrängt. Wer dort zur Schule geht, zählt seine Fünfen aus einem anderen Grund: nicht wegen der Versetzung, sondern wegen des Abschlusses, denn für den mittleren Schulabschluss und die Zulassung zur Oberstufe gelten eigene Notenregeln, die wieder Ausgleich verlangen.

Wie viele Vieren darf man haben?

Die Frage kommt fast immer mit, und die Antwort ist kürzer: Vieren sind fürs Versetzen unbegrenzt. Eine 4 heißt „ausreichend", und ausreichend reicht, egal wie oft. Ein Zeugnis mit acht Vieren und einer 2 wird versetzt. Vieren werden nur an zwei Stellen zum Thema. Erstens beim Ausgleich: Wer eine 5 mit zwei Vieren ausgleichen will, kann das in manchen Ländern, aber nicht mit zwei Fünfen, die beide ausgeglichen werden müssen. Zweitens bei bestimmten Übergängen: Für die Versetzung in die Oberstufe oder den Übergang ans Gymnasium nach Klasse 6 verlangen einige Länder einen Durchschnitt, und dort wiegen viele Vieren schwer, auch ohne eine einzige 5. Wie du diesen Durchschnitt berechnest, erklärt der Ratgeber Wie berechnet man den Notendurchschnitt?.

Die Rechnung im Mai

Zwei Monate vor dem Zeugnis ist der richtige Zeitpunkt, nicht zu zählen, sondern zu entscheiden. Nimm die Fächer, die auf 5 stehen, und schau, welches davon am nächsten an der 4 ist. Das ist das Fach, in das du die Zeit steckst, denn eine 5 weniger ist mehr wert als zwei Fächer, die von 3 auf 2 steigen. Dann schau auf die Ausgleichsfächer: Wenn Deutsch auf einer wackeligen 3 steht, die du für den Ausgleich brauchst, ist Deutsch jetzt wichtiger als Mathe, denn eine 3, die zur 4 wird, zerstört den Ausgleich. Und dann frag die Klassenleitung, und zwar mit der konkreten Rechnung: „Ich habe Mathe und Französisch auf 5, Englisch auf 2 und Deutsch auf 3, reicht das zum Ausgleich?" Die Antwort dauert fünf Minuten, und sie ersetzt alle Gerüchte aus dem Klassenzimmer, weil sie aus der Versetzungsordnung deines Landes für deine Schulform kommt. Die ist die einzige Quelle, die am Ende zählt, und weil sie sich ändert, trägt dieser Artikel oben ein Datum. Was hier steht, ist keine Rechtsberatung.

Zurück an den Küchentisch. Mathe 5, Französisch 5, Physik auf der Kippe, Englisch 2. Wenn Physik die 4 hält und Deutsch auf 3 bleibt, wirst du versetzt. Wenn Physik zur 5 wird, hilft nur noch die Nachprüfung oder die Konferenz. Zwei Monate sind für ein Fach, das auf der Kippe steht, viel Zeit, und wie eine Schule Schüler in genau dieser Lage unterstützt, ob es Förderkurse gibt, ob die Lehrkraft dir sagt, wo du stehst, oder ob du es erst am Zeugnistag erfährst, das steht in den Erfahrungsberichten von Schülern und Eltern auf Schulerfahrung.com. Wenn deine Schule dort noch fehlt, kannst du die erste Stimme sein.

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