Ratgeber › Mobbing und Konflikte

Was tun, wenn ich mit einem Lehrer nicht klarkomme?

Es ist nicht so, dass er dich anschreit. Es ist, dass er dich übersieht, wenn du dich meldest, und aufruft, wenn du es nicht tust. Dass er deine Fragen mit einem Seufzen beantwortet und die der anderen mit Geduld. Dass du in seinem Fach seit einem Jahr eine Note schlechter stehst als in allen anderen und nicht sagen kannst, warum. Du hast versucht, es zu ignorieren, du hast versucht, besser zu werden, und nichts davon hat etwas geändert. Jetzt graust dir vor Dienstag, dritte Stunde, und du fragst dich, ob das noch deine Sache ist oder seine.

Die kurze Antwort: Du musst eine Lehrkraft nicht mögen, und sie muss dich nicht mögen, aber sie muss dich fair behandeln, und du hast Wege, das einzufordern. Die meisten Konflikte mit Lehrkräften sind Missverständnisse, die in einem einzigen Gespräch kleiner werden; einige sind Stilfragen, mit denen man lernen kann umzugehen; und wenige sind echte Grenzüberschreitungen, für die es ein Verfahren gibt. Die Kunst ist, herauszufinden, welcher Fall deiner ist, bevor du handelst. Wie du das prüfst, wie das Gespräch aussieht, das etwas ändert, wann Eltern und Schulleitung dazukommen und was gilt, wenn Noten im Spiel sind, erklärt dieser Text.

Zuerst: welcher Fall ist es?

Drei Fragen, ehrlich beantwortet, bevor du irgendetwas tust. Erstens: Geht es allen so oder nur dir? Wenn die ganze Klasse den Lehrer streng, kalt oder unfair findet, ist es sein Stil, und Stil ändert man nicht, man lernt, damit umzugehen. Wenn es nur dir so geht, ist es eine Beziehung, und Beziehungen lassen sich ändern, von beiden Seiten. Zweitens: Was ist der konkrete Vorwurf? "Er mag mich nicht" ist ein Gefühl. "Er hat mich in den letzten vier Wochen nicht ein einziges Mal aufgerufen, obwohl ich mich jede Stunde gemeldet habe" ist eine Beobachtung, die man besprechen kann. Schreib eine Woche lang auf, was genau passiert, so wie man es bei Mobbing tut, und schau, was übrig bleibt. Drittens: Was hast du selbst beigetragen? Nicht, weil du schuld wärst, sondern weil Lehrkräfte Menschen sind, die sich an den Schüler erinnern, der in der ersten Woche gestört hat, und ihn ein Jahr lang so sehen. Wenn es so etwas gab, ist das kein Grund für Unfairness, aber ein Ansatzpunkt für das Gespräch.

Es gibt einen vierten Fall, und der ist anders: Wenn die Lehrkraft dich bloßstellt, beleidigt, wegen deiner Herkunft, Religion, deines Aussehens oder deiner Familie herabsetzt, wenn sie dich anfasst oder Angst macht. Das ist kein Konflikt, sondern eine Grenzüberschreitung, und dafür gilt nicht dieser Text, sondern der Ratgeber Darf ein Lehrer Schüler vor der Klasse bloßstellen? und, bei Angst, der Weg über Eltern, Beratungslehrkraft und Schulleitung ohne Umweg.

Das Gespräch, das etwas ändert

Der Schritt, den fast alle auslassen, weil er am meisten Überwindung kostet: mit der Lehrkraft reden. Nicht in der Stunde, nicht vor der Klasse, nicht als Vorwurf. Nach der Stunde, oder mit der Bitte um fünf Minuten in der Pause. Und mit einem Satz, der nicht angreift, sondern fragt: "Ich habe das Gefühl, dass es zwischen uns nicht gut läuft, und ich würde gern wissen, was ich anders machen kann." Das ist kein Kriechen. Es ist der Satz, auf den die meisten Lehrkräfte nicht vorbereitet sind, weil Schüler ihn fast nie sagen, und er verändert, wie sie dich sehen. Eine Lehrkraft, die einen Schüler als Störer abgespeichert hat, und dann kommt dieser Schüler und fragt so, muss das Bild neu sortieren.

Dann zuhören. Die Lehrkraft wird etwas sagen, das du vielleicht nicht hören willst, über dein Verhalten, deine Beteiligung, deine Hausaufgaben. Nimm es mit, ohne zu widersprechen, auch wenn nicht alles stimmt. Und bring dann deine Beobachtung, eine, nicht zehn: „Ich melde mich oft und werde selten aufgerufen, das verunsichert mich." Lehrkräfte wissen oft nicht, wen sie aufrufen und wen nicht; es passiert ohne Absicht, und wer es anspricht, ändert es manchmal in einer Woche. Am Ende etwas Konkretes vereinbaren, auch wenn es klein ist: dass du dich in den nächsten zwei Wochen jede Stunde meldest und sie dich zweimal drannimmt. Das ist eine Abmachung, und sie lässt sich überprüfen.

Wenn du dich das nicht traust, und das ist in Ordnung, gibt es eine Zwischenstufe: die Vertrauenslehrkraft oder die Schulsozialarbeit. Die können mit der Lehrkraft sprechen, ohne dass es nach Beschwerde aussieht, und sie können bei einem Gespräch dabei sein. Das Gespräch zu dritt ist oft das, was beide Seiten brauchen, weil jemand dabei ist, der übersetzt.

Wenn das Gespräch nichts bringt

Dann kommen deine Eltern dazu, und zwar in dieser Reihenfolge: zuerst ein Gespräch mit der Lehrkraft, zu dem die Eltern bitten, mit dir dabei. Dann, wenn das nichts bringt, die Klassenleitung, die den Überblick über die ganze Klasse hat und oft weiß, ob es ein bekanntes Problem ist. Dann die Schulleitung, schriftlich, mit der Liste aus der ersten Woche. Eine Schulleitung kann eine Lehrkraft nicht zwingen, dich zu mögen, aber sie kann Gespräche anordnen, Hospitationen durchführen und in seltenen Fällen dafür sorgen, dass du in eine Parallelklasse wechselst, wenn das Verhältnis nicht mehr zu retten ist. Das Letztere ist keine Niederlage, sondern eine Lösung, die Schulen häufiger nutzen, als man denkt, vor allem in der Mittelstufe. Was Eltern dabei beachten sollten, ähnelt dem, was im Ratgeber Was können Eltern bei Mobbing tun? steht: schriftlich arbeiten, konkret bleiben, die Lehrkraft nicht übergehen.

Wenn Noten im Spiel sind

Das ist der Punkt, an dem der Konflikt vom Gefühl zur Sache wird. Eine Lehrkraft darf dich nicht schlechter bewerten, weil sie dich nicht mag, und das ist nicht nur eine Höflichkeit, sondern ein Rechtssatz: Sachfremde Erwägungen sind der Fehler, den auch Gerichte prüfen. Der Nachweis ist schwer, aber er beginnt mit einer Rechnung. Nimm deine schriftlichen Noten und die Gewichtung, die die Lehrkraft am Schuljahresanfang nennen musste, und rechne, wo du stehen müsstest. Wenn die Zeugnisnote eine Stufe darunter liegt, ist das der pädagogische Spielraum und lässt sich mit der mündlichen Note erklären. Wenn sie zwei Stufen darunter liegt, stimmt etwas nicht, und du hast ein Recht zu erfahren, was. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Was tun, wenn ich unfair benotet werde?, und wie die Zeugnisnote gebildet wird, der Ratgeber Wie wird eine Zeugnisnote berechnet?. Die mündliche Note ist dabei der Hebel: Wer das Gefühl hat, mündlich unfair bewertet zu werden, bittet die Lehrkraft, die mündliche Note zwischendurch mitzuteilen, am besten schriftlich. Das ist dein Recht, und es macht die Note sichtbar, bevor sie im Zeugnis steht.

Was dir in der Zwischenzeit hilft

Ein Lehrer, mit dem es nicht läuft, ist für die meisten ein Jahr, höchstens zwei, dann wechselt die Besetzung. Das ist kein Trost, aber eine Perspektive, und sie ändert, wie viel Energie du in den Kampf steckst. In der Zwischenzeit hilft, was auch sonst hilft: das Fach vom Lehrer trennen, also gut sein, weil der Stoff es wert ist, nicht weil der Lehrer es sieht; sich in der Stunde korrekt verhalten, auch wenn er unfair ist, weil jeder Fehler von dir sein Bild bestätigt; und mit jemandem darüber reden, der nicht in der Klasse sitzt, damit es nicht zur ganzen Welt wird. Und sich klar machen, dass eine Lehrkraft, die dich nicht mag, nichts über dich sagt. Sie sagt etwas über diese eine Beziehung, und die endet im Sommer.

Was hier steht, ist keine Rechtsberatung. Bei Beleidigungen, Herabsetzungen und allem, was Angst macht, führt der Weg nicht über Gespräche, sondern über Eltern, Schulleitung und Dienstaufsicht, wie es der Überblick über die Schülerrechte beschreibt. Für Dienstag, dritte Stunde, reicht vielleicht erst einmal der eine Satz nach der Stunde.

Sollte man Lehrer bewerten?

Nach einigen früheren Gerichtsurteilen ist es durchaus erlaubt, Lehrer online zu bewerten. Dazu steht in gewisser Weise auch unsere Plattform zur Verfügung. Doch genauso, wie du es von deinen Lehrern bzw. der Schule erwartest, solltest du auch hier fair sein. Wenn in der Schule etwas schiefläuft, schreib es gern nieder. Reine Beleidigungen machen jedoch wenig Sinn, da auch oft die Schulleitung hier mitliest und sie mit einer bloßen Beleidigung wenig anfangen kann. Wenn du konkrete Situationen beschreibst, können alle Beteiligten entsprechend agieren. Ein Vorteil ist, dass eine Schul-Bewertung hier anonym abgegeben werden kann.

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