Ratgeber › Mobbing und Konflikte
Was tun, wenn ich in der Schule gemobbt werde?
Es hat nicht mit einem Schlag angefangen. Es hat angefangen mit einem Namen, den jemand für dich erfunden hat und den jetzt alle benutzen. Dann der Platz, der immer besetzt ist, wenn du kommst. Die Gruppe, in der du nicht mehr bist. Das Lachen, das aufhört, wenn du in den Raum kommst, und wieder anfängt, wenn du vorbei bist. Du hast es erst für Zufall gehalten, dann für etwas, das du selbst verursacht hast. Und jetzt ist es seit drei Monaten jeden Tag so, und du weißt nicht mehr, wie du morgens reinkommen sollst.
Die kurze Antwort: Das ist Mobbing, und du kommst da nicht allein heraus. Nicht, weil du zu schwach wärst, sondern weil Mobbing so gebaut ist, dass die Person in der Mitte es nicht beenden kann, egal was sie tut. Was es beendet, ist, dass Erwachsene davon erfahren und handeln, und dafür musst du es jemandem sagen. Das ist der schwerste Schritt und der einzige, der funktioniert. Davor gibt es Dinge, die du selbst tun kannst, um es auszuhalten und zu belegen, und danach Dinge, die die Schule tun muss. Was Mobbing von Streit unterscheidet, warum die üblichen Ratschläge nicht helfen, wem du es sagst und wie, und was dann passiert, erklärt dieser Text.
Warum du Mobbing nicht allein beenden kannst
Mobbing ist nicht Streit. Streit ist, wenn zwei ungefähr gleich Starke aneinandergeraten und es nach ein paar Tagen vorbei ist. Mobbing ist, wenn eine Gruppe oder ein Einzelner mit Rückhalt der Gruppe dieselbe Person über Wochen immer wieder angreift, ausgrenzt oder lächerlich macht, und die Person sich nicht wehren kann, weil es nicht um das geht, was sie tut, sondern darum, dass sie das Ziel ist. Der norwegische Forscher Dan Olweus, der das Thema in den siebziger Jahren als Erster untersucht hat, hat die drei Merkmale benannt, die bis heute gelten: Absicht, Wiederholung, Machtungleichgewicht. Das dritte ist der Grund, warum alle Ratschläge, die dir sagen, du sollst dich wehren, nicht funktionieren. Wer gemobbt wird, kann sich nicht wehren, denn sonst wäre es kein Mobbing. Und wer es versucht, liefert der Gruppe den Anlass für die nächste Runde.
Dasselbe gilt für "ignorier es einfach". Ignorieren funktioniert bei einem einzelnen Idioten. Bei einer Gruppe, die dich jeden Tag ausschließt, gibt es nichts zu ignorieren, weil das Ausschließen selbst die Botschaft ist. Du hast das wahrscheinlich längst versucht, und es hat nicht funktioniert, und das liegt nicht an dir. Die Forschung zeigt seit Jahrzehnten dasselbe: Mobbing hört auf, wenn die Klasse aufhört, mitzumachen, und wenn Erwachsene eingreifen. Beides kannst du nicht allein herbeiführen. Du kannst aber den Anstoß geben.
Und noch etwas, das wichtiger ist als alles andere in diesem Text: Du bist nicht schuld. Mobbing sucht sich ein Ziel, und das Ziel kann jeder sein, der neu ist, anders ist, besser ist, schlechter ist, leiser ist, lauter ist. Die Gründe, die die anderen nennen, sind nicht die Gründe, sondern die Rechtfertigung. Wer gemobbt wird, fängt an, bei sich zu suchen, was falsch ist. Du wirst nichts finden, was das rechtfertigt, weil es nichts gibt.
Was du jetzt tun kannst, bevor du es jemandem sagst
Erstens aufschreiben. Jeden Tag, kurz, in ein Heft oder eine Notiz auf dem Handy: Datum, was passiert ist, wer dabei war, wer es gesehen hat. Nicht, weil du einen Prozess planst, sondern weil Mobbing aus hundert Kleinigkeiten besteht, die einzeln nach nichts aussehen, und weil die Liste das ist, was später zählt, wenn eine Lehrkraft fragt, was denn genau passiert sei. "Sie sind gemein" ist nichts. "Dienstag, Pause, Lara und Mia haben meinen Rucksack in den Müll gestellt, Jonas hat es gesehen" ist etwas. Screenshots von Nachrichten gehören dazu, mit Datum.
Zweitens einen Ort finden, an dem du nicht das gemobbte Kind bist. Ein Verein, eine Freundin aus einer anderen Schule, Cousins, ein Nachmittag bei den Großeltern, egal was. Mobbing hat die Wirkung, dass es zur ganzen Welt wird, und ein Ort außerhalb dieser Welt ist das, was dich trägt, bis es aufhört.
Drittens, wenn es gerade passiert: so wenig wie möglich. Nicht weinen, wenn es geht, nicht schreien, nicht zurückschlagen, nicht betteln. Nicht, weil das falsch wäre, sondern weil die Reaktion das ist, worauf die Gruppe wartet, und weil das Ausbleiben der Reaktion ihr die Belohnung nimmt. Weggehen ist keine Niederlage. Es ist das, was man tut, bevor man es jemandem sagt.
Wem du es sagst, und wie
Das ist der Schritt, vor dem die meisten am längsten zögern, und die Gründe sind immer dieselben: Es wird schlimmer, wenn die anderen es erfahren. Es ist Petzen. Die Lehrer tun sowieso nichts. Meine Eltern machen ein Drama. Nimm die Gründe ernst, aber nimm auch das ernst: Mobbing, von dem niemand weiß, hört nicht auf. Das ist die eine Regel, auf die sich alle Studien einigen.
Such dir eine Person aus, nicht alle. Eltern, wenn du ihnen vertraust. Wenn du Angst hast, dass sie überreagieren, sag ihnen das vorher:
"Ich will dir etwas erzählen, und ich will, dass du erst mal nur zuhörst und nichts tust, ohne mich zu fragen."
Die meisten Eltern halten sich daran, wenn man es sagt. Wenn nicht die Eltern, dann die Vertrauenslehrkraft, die Schulsozialarbeit, die Beratungslehrkraft, denn die gibt es an fast jeder Schule, und sie sind genau dafür da. Ein Gespräch dort ist keine Anzeige. Du kannst sagen, dass du nicht willst, dass dein Name fällt, und sie sind daran gebunden. Wenn du mit niemandem an der Schule reden willst, gibt es die Nummer gegen Kummer, 116 111, anonym, kostenlos, montags bis samstags, und juuuport, wo Jugendliche Jugendliche beraten. Beides ist ein Anfang, kein Ersatz, aber manchmal braucht man den Anfang zuerst.
Nimm die Liste mit. Sie macht aus "ich werde gemobbt" etwas, das ein Erwachsener in die Hand nehmen kann, und sie ist der Grund, warum das Gespräch anders läuft als das, was du befürchtest. Und sag, was du dir wünschst: dass es aufhört, dass die Klasse davon erfährt oder nicht, dass du nicht derjenige sein willst, der angezeigt hat. Erwachsene, die das wissen, können es berücksichtigen.
Was die Schule gegen Mobbing dann tun muss
Sobald die Schule weiß, dass du gemobbt wirst, muss sie handeln, und zwar nicht irgendwann. Das steht nicht in deinem Ermessen und nicht in dem der Lehrkraft, sondern folgt aus der Pflicht der Schule, dich vor Schaden zu bewahren. Was sie tun darf und muss, von Gesprächen über Programme wie den No-Blame-Approach bis zu Ordnungsmaßnahmen gegen die, die mobben, beschreibt der Ratgeber Wann muss die Schule bei Mobbing eingreifen?; er ist für Eltern geschrieben, aber die Regeln gelten für dich genauso. Was sie nicht darf: dich in eine andere Klasse setzen, um das Problem loszuwerden, ohne dass du das willst. Und was du wissen solltest: Ein erstes Gespräch, das nichts bringt oder es schlimmer macht, ist nicht das Ende, sondern der Grund für den nächsten Schritt. Der Ratgeber Was können Eltern bei Mobbing tun? beschreibt, wie dieser Weg aussieht.
Wenn Bilder von dir verbreitet werden, wenn du bedroht wirst oder geschlagen, ist das keine Schulsache mehr, sondern eine Straftat, und dann gehört die Polizei dazu, mit deinen Eltern. Was bei Bildern gilt, steht im Ratgeber Cybermobbing: Was tun, wenn Mitschüler Bilder verbreiten?. Und ein Schulwechsel ist manchmal der richtige Weg, aber als Entscheidung, nicht als Flucht; die Schule muss zuerst zeigen, dass sie es nicht hinbekommt, bevor du gehst.
Wenn du nicht mehr kannst
Mobbing macht etwas mit Menschen, und zwar mit allen. Wenn du morgens nicht mehr aufstehen kannst, wenn du nicht mehr schläfst, wenn du anfängst zu denken, dass es besser wäre, nicht mehr da zu sein: Das ist kein Zeichen, dass du schwach bist, sondern dass es zu lange ging, und es ist der Moment, in dem du sofort mit jemandem sprichst. Nummer gegen Kummer, 116 111. Die Telefonseelsorge, 0800 111 0 111, rund um die Uhr. Deine Eltern, ein Arzt, im Notfall 112. Es gibt Menschen, deren Beruf es ist, in genau dieser Situation zu helfen, und sie haben das schon oft getan. Du musst das nicht allein tragen, und du sollst es nicht.
Was hier steht, ist keine Therapie und keine Rechtsberatung. Es ist das, was in dieser Lage hilft, und das Wichtigste davon steht am Anfang: Du bist nicht schuld, und du kommst da nicht allein heraus, also sag es jemandem. Wie eine Schule mit Mobbing umgeht, ob dort jemand hinschaut oder ob man allein bleibt, erfährst du hier:
Erfahrungen mit Mobbing in der Schule
Mach deinem Ärger hier auf unserem Portal Luft: Du kannst ganz genau beschreiben, wie deine Schule oder deine Lehrer mit der Situation umgehen. Das kann positiv wie negativ sein. Oft hilft es schon, seinen Frust aufzuschreiben. Zum anderen bewahrst du vielleicht das nächste Mobbingopfer vor der gleichen Situation, denn wenn eine Schule nichts gegen Mobbing unternimmt, wird sie es wahrscheinlich auch in Zukunft nicht tun. Vielleicht ist das ein Grund, nicht auf diese Schule zu wechseln. Bewertungen von Schulen können Eltern und Schülern bei der Wahl der richtigen Schule helfen. Bewertungen von Schulen machen Sinn: Eine Schule, die etwas dagegen hat, hat oft etwas zu verbergen und kennt ihre Missstände. Schulen, die auf ihre Schüler achten, lesen auch hier in den Bewertungen mit, um Dinge zu verbessern. Lies Bewertungen von Schulen und hinterlasse deine!
Wie ist die Schule vor Ort wirklich?
Finde deine Schule und lies echte, verifizierte Erfahrungen von Eltern und Schülern.
Schule finden