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Nachhilfe: Wann sie hilft, was sie kostet, wann sie das Falsche ist

Die Fünf in Mathe kommt selten überraschend. Meistens gab es vorher eine Vier, die früher eine Zwei war, dann Hausaufgaben, die nur noch mit Hilfe fertig wurden, dann den Satz, den Eltern in dieser Phase oft hören: Das versteht in der Klasse sowieso keiner. Und irgendwann steht man am Küchentisch und fragt sich, ob man jetzt Nachhilfe braucht. In Deutschland beantworten das viele Familien mit Ja, geschätzt jedes fünfte Schulkind bekommt irgendwann bezahlte Nachhilfe, und die Branche setzt jährlich über eine Milliarde Euro um. Ob das Geld gut angelegt ist, hängt an einer Frage, die vor der ersten Stunde geklärt sein sollte.

Die Frage, die man vorher stellen muss

Fehlt meinem Kind Wissen, oder fehlt ihm etwas anderes?

Nachhilfe funktioniert bei klar umrissenen Lücken. Ein Thema wurde durch drei Wochen Krankheit verpasst. Der Grundstock im Bruchrechnen fehlt, und alles darauf wackelt. Die Grammatik der zweiten Fremdsprache ist im ersten Jahr nie richtig angekommen. Oder es geht um eine begrenzte Vorbereitung, auf den mittleren Abschluss, auf das Abitur, auf einen Übergang. In all diesen Fällen füllt Nachhilfe ein Loch, und wenn das Loch gefüllt ist, kann sie aufhören.

Sie funktioniert nicht, wenn die schlechten Noten ein Symptom von etwas anderem sind. Ein Kind, das wegen Ausgrenzung in der Klasse nicht mehr lernt, braucht keine zusätzliche Stunde Mathematik. Ein Kind mit Angst vor der Schule auch nicht. Ein Kind, das an der falschen Schulform sitzt und in fünf Fächern gleichzeitig untergeht, braucht ein Gespräch über die Schulform, nicht fünf Nachhilfelehrer. Und ein Kind, das schlicht keine Lust hat, braucht jemanden, der fragt, woher die Unlust kommt, bevor jemand kommt, der Vokabeln abfragt.

Der Zeitpunkt

Die meisten Familien warten auf das Halbjahreszeugnis. Das ist zu spät, weil der Rückstand dann schon so groß ist, dass Nachhilfe zur Reparatur unter Zeitdruck wird. Die frühen Signale sind leiser: die Vier, die eine Zwei war, die Hausaufgaben, die plötzlich nur noch mit Hilfe gehen, das Verstehen-alle-nicht. Wer in dieser Phase reagiert, hat es mit einer kleinen Lücke zu tun, nicht mit einem Krater.

Der erste Anruf sollte in dieser Phase nicht bei einem Institut landen, sondern bei der Fachlehrkraft. Sie kann sagen, ob es eine vorübergehende Delle ist oder ein Fundamentproblem, und sie kennt die Angebote der eigenen Schule: Förderunterricht, Lernwerkstätten, Hausaufgabenbetreuung, Schüler-helfen-Schülern-Programme. Diese Angebote sind kostenlos, kennen den Unterricht genau und werden erstaunlich selten genutzt, weil Eltern nicht wissen, dass es sie gibt.

Welche Form für welches Kind

Private Einzelnachhilfe, klassisch der Student von nebenan, der Lehramtsanwärter, die pensionierte Lehrerin, gefunden über Aushänge, Nachbarschaft oder Vermittlungsportale. Das ist für ältere Schüler mit einer klaren Lücke oft die beste Wahl: volle Aufmerksamkeit, flexibel, meist günstiger als ein Institut. Die Kehrseite: Die Qualität schwankt, es gibt keine Vertretung bei Krankheit, und ein Mathestudent kann Mathe, aber nicht unbedingt erklären.

Nachhilfeinstitute wie Studienkreis und Schülerhilfe oder regionale Anbieter arbeiten meist in Kleingruppen von drei bis fünf Kindern, mit festen Verträgen und Lehrkräften, die zumindest eine Einweisung bekommen haben. Sie bieten Struktur, Ersatz bei Ausfall und oft eine Eingangsdiagnostik. Dafür ist Gruppenunterricht eben kein Einzelunterricht, und die Verträge laufen häufig länger als der Bedarf.

Online-Nachhilfe hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt. Live per Video mit einer Lehrkraft funktioniert ab etwa Klasse 7 gut und öffnet die Auswahl über den Wohnort hinaus; reine Lernplattformen mit Erklärvideos und Übungen eignen sich für selbstständige Jugendliche zum Vertiefen, ersetzen aber keine Erklärung im Dialog. Für Grundschulkinder halte ich Bildschirmangebote in der Regel für ungeeignet, sie brauchen jemanden, der neben ihnen sitzt.

Was es kostet

Die Preise unterscheiden sich regional erheblich, aber eine Orientierung lässt sich geben. Private Einzelnachhilfe durch Studierende liegt meist zwischen 15 und 30 Euro pro Stunde, ausgebildete Lehrkräfte verlangen 30 bis 50 Euro, in Großstädten auch mehr. Institute rechnen meist monatlich ab und liegen im Gruppenunterricht bei etwa 100 bis 200 Euro für ein bis zwei Termine pro Woche, Einzelunterricht dort entsprechend darüber. Online-Anbieter bewegen sich in ähnlichen Spannen, oft als Paket. Ein Schuljahr Institutsnachhilfe kostet damit schnell 1.500 bis 2.500 Euro, und das sollte man ehrlich gegen die Frage vom Anfang halten: Schließt das eine Lücke, oder übertüncht es ein Problem, das woanders liegt?

Familien mit geringem Einkommen bekommen Unterstützung, und dieser Punkt wird viel zu selten genutzt. Über das Bildungs- und Teilhabepaket kann Lernförderung finanziert werden, wenn die Schule den Bedarf bestätigt und das Erreichen der Lernziele gefährdet ist. Der Antrag läuft über das Jobcenter oder das Sozialamt, das Formular für die Schulbestätigung gibt es dort ebenfalls. Die Hürde ist deutlich niedriger, als viele denken, und die Förderung kann auch ohne akute Versetzungsgefahr bewilligt werden.

Woran Sie gute Nachhilfe erkennen

Sie beginnt mit einer Bestandsaufnahme. Wer in der ersten Stunde einfach die aktuellen Hausaufgaben abarbeitet, statt herauszufinden, wo die Lücke sitzt, arbeitet am Symptom. Sie hat ein Ziel und ein absehbares Ende: Bis Ostern Bruchrechnen sicher ist ein Plan, erst mal jede Woche eine Stunde ist ein Abonnement. Sie funktioniert nur, wenn das Kind die Person mag, denn Nachhilfe ist Beziehungsarbeit; wenn die Chemie nach drei Terminen nicht stimmt, wechseln Sie, ohne schlechtes Gewissen. Sie macht selbstständig statt abhängig, das Ziel ist ein Kind, das die Nachhilfe irgendwann nicht mehr braucht, und Anbieter, die dauerhafte Betreuung als Normalfall darstellen, verfolgen ein anderes Interesse als Sie. Und sie kommuniziert: Eine kurze Rückmeldung alle paar Wochen, was erarbeitet wurde und wie es läuft, ist Standard, nicht Sonderleistung.

Vertrag, Kündigung, Probestunde

Institutsverträge laufen oft sechs oder zwölf Monate und verlängern sich automatisch. Lesen Sie vor der Unterschrift drei Dinge: die Mindestlaufzeit, die Kündigungsfrist und die Regelungen bei Krankheit, Ferien und Umzug. Seriöse Anbieter bieten eine kostenlose Probestunde und nach der Mindestlaufzeit eine Kündigung zum Monatsende. Lassen Sie sich nicht drängen, am Beratungstag zu unterschreiben, und fragen Sie nach der Qualifikation der konkreten Person, die Ihr Kind unterrichten wird, nicht nach der des Instituts im Allgemeinen. Bei Online-Verträgen gilt zusätzlich das vierzehntägige Widerrufsrecht.

Warum Eltern selten die besten Nachhilfelehrer sind

Viele versuchen es zuerst selbst, und viele scheitern, nicht am Stoff, sondern an der Rolle. Kinder nehmen Kritik von den eigenen Eltern schlechter an als von Fremden. Eltern verlieren bei den eigenen Kindern schneller die Geduld. Und der Stoff wird heute oft anders unterrichtet als vor 25 Jahren, sodass die väterliche Erklärung der schriftlichen Division zu einem Streit über Methoden wird. Aus Lernhilfe wird Beziehungskonflikt, und der wird abends am Küchentisch ausgetragen. Wenn Sie merken, dass Sie regelmäßig erklären statt nur zu begleiten, lesen Sie den Ratgeber Hausaufgaben ohne Stress und geben Sie das Fachliche ab. Ihre Rolle als Eltern ist wertvoller als die als Ersatzlehrkraft.

Die Nachhilfe begleiten, ohne zu drücken

Fragen Sie nach der Stunde nicht, was gelernt wurde, sondern wie es war. Sorgen Sie dafür, dass die kleinen Übungsaufgaben zwischen den Terminen einen festen Platz haben, am besten in der normalen Hausaufgabenzeit. Sprechen Sie alle vier bis sechs Wochen kurz mit der Nachhilfelehrkraft und mit der Fachlehrkraft der Schule, damit beide in dieselbe Richtung arbeiten und nicht gegeneinander. Und messen Sie den Erfolg an der Sache, nicht an der nächsten Note. Wenn Ihr Kind eine Aufgabe versteht, die es vor einem Monat nicht verstanden hat, ist das der Fortschritt. Die Vier in der nächsten Arbeit kann trotzdem noch kommen, sie hinkt dem Verständnis fast immer hinterher.

Wenn Nachhilfe ein Signal ist

Braucht Ihr Kind in mehreren Fächern gleichzeitig und über lange Zeit Nachhilfe, ist das selten ein Nachhilfeproblem. Es kann heißen, dass die Schulform nicht passt, dass eine Lernschwierigkeit wie eine Lese-Rechtschreib-Schwäche unerkannt geblieben ist, oder dass die Schule selbst zu wenig fördert. Sprechen Sie das offen mit der Klassenleitung an, etwa am Elternsprechtag. Und wenn sich der Eindruck verfestigt, dass Ihr Kind an einer anderen Schule besser aufgehoben wäre, lohnt der Blick in die Erfahrungen anderer Eltern, die diesen Weg schon gegangen sind. Ein Wechsel der Schulform ist manchmal die ehrlichere und am Ende auch günstigere Lösung als drei Jahre Nachhilfe gegen eine chronische Überforderung.

Nachhilfe ist ein Werkzeug, kein Lebensmodell. Richtig eingesetzt schließt sie eine Lücke, gibt dem Kind sein Selbstvertrauen zurück und macht sich innerhalb weniger Monate überflüssig. Fragen Sie vor der ersten Stunde, welches Problem sie lösen soll. Fangen Sie bei den kostenlosen Angeboten der Schule an. Wählen Sie die Form nach Ihrem Kind und nicht nach der Werbung. Und behalten Sie das Ende im Blick, denn ein gutes Nachhilfeverhältnis erkennt man daran, dass es aufhört.

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