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Elternsprechtag: Wie Sie aus zehn Minuten das Beste machen

Im Flur vor dem Klassenraum sitzen sechs Eltern auf zu kleinen Stühlen, jeder mit einem Zettel in der Hand, auf dem eine Uhrzeit steht. Drinnen dauert es länger als geplant. Wenn Sie dann endlich dran sind, haben Sie zehn Minuten, manchmal fünfzehn, und die Lehrerin hat vor Ihnen schon zwölf Gespräche geführt. Was Sie in diesen Minuten erfahren, hängt weniger von ihr ab als von Ihnen.

Warum Vorbereitung alles ändert

Lehrkräfte erleben an Sprechtagen zwei Sorten Eltern. Die einen setzen sich hin und sagen: Gibt es was? Die anderen kommen mit einer Liste von zwanzig Punkten und wollen jede Note der letzten sechs Monate besprechen. Beide Gespräche verlaufen im Sand. Das dritte Gespräch, das mit zwei oder drei klaren Anliegen, ist das, an das sich die Lehrkraft am Abend erinnert, und es ist das, aus dem beide Seiten etwas mitnehmen. Zwanzig Minuten am Vorabend reichen dafür. Mehr braucht es nicht, weniger sollte es nicht sein.

Zuerst mit dem Kind reden

Bevor Sie zur Schule gehen, sprechen Sie mit dem Menschen, um den es geht. Wie erlebt Ihr Kind die Schule gerade, was läuft gut, was nervt, neben wem sitzt es, was soll die Lehrkraft unbedingt wissen. Und, das ist ernst gemeint: Was soll sie auf keinen Fall erfahren. Kinder haben ein Recht darauf, dass Eltern nicht jedes anvertraute Wort weitertragen, und sie erzählen mehr, wenn sie wissen, dass Sie das respektieren.

An vielen Schulen können ältere Kinder am Gespräch teilnehmen, an manchen ist es ausdrücklich gewünscht. Nutzen Sie das. Ein Sprechtag, bei dem über den Kopf des Kindes hinweg geredet wird, hat für Kinder etwas von einem Tribunal, von dem sie nur das Urteil hören. Sitzt das Kind dabei, wird aus dem Urteil ein Gespräch.

Die drei Anliegen

Schreiben Sie alles auf, was Sie wissen wollen. Dann streichen Sie, bis drei Punkte übrig sind. Das ist der schwierigste Teil und der wichtigste. Gute Fragen sind offen und beziehen sich auf Beobachtungen, nicht auf Noten. Wie erleben Sie mein Kind im Unterricht, wie arbeitet es mit, wie geht es mit Fehlern um. Wie ist es in die Klasse eingebunden, mit wem arbeitet es zusammen, gibt es Reibungen. Wo sehen Sie Stärken, die wir zu Hause vielleicht übersehen. Was wäre aus Ihrer Sicht der eine Punkt, an dem wir gemeinsam arbeiten sollten. Und: Gibt es etwas, das Sie von uns brauchen.

Weniger ergiebig sind Fragen nach einzelnen Noten oder die Bitte um eine Prognose. Schafft er das Gymnasium? Darauf kann eine Lehrkraft nach einem halben Jahr Klasse 3 selten seriös antworten, und wenn sie es tut, sollten Sie der Antwort nicht zu viel Gewicht geben. Wenn Sie eine Note beschäftigt, fragen Sie, was dahintersteht. Die Antwort ist fast immer interessanter als die Zahl.

Was Sie mitnehmen

Das Hausaufgabenheft, wenn es Probleme mit den Hausaufgaben gibt. Eine Klassenarbeit, bei der Sie die Bewertung nicht verstanden haben. Und, wenn es um ein konkretes Problem geht, Notizen mit Datum. Wenn Ihr Kind seit den Herbstferien morgens nicht mehr los will, schreiben Sie sich die Tage auf, an denen es besonders schlimm war. Wenn Sie den Verdacht haben, dass es in der Klasse ausgegrenzt wird, notieren Sie die Situationen, von denen es erzählt hat. Eine solche Dokumentation, sachlich und knapp, macht aus einem Ich habe das Gefühl ein Gespräch über Tatsachen, und Lehrkräfte können mit Tatsachen arbeiten. Für den Fall, dass es um Mobbing oder dauerhafte Hausaufgabenkonflikte geht, ist sie unverzichtbar.

Im Gespräch

Lassen Sie die Lehrkraft anfangen. Sie erfahren dann zuerst, was ihr wichtig ist, und können Ihre Punkte daran anschließen, statt sie unverbunden abzuarbeiten. Formulieren Sie Beobachtungen, keine Urteile. Seit den Herbstferien mag er morgens nicht mehr los ist ein Satz, der eine Tür öffnet. Ihr Unterricht demotiviert ihn ist ein Satz, der sie schließt, auch wenn er stimmen sollte.

Fragen Sie nach, wenn Sie etwas nicht verstehen. Pädagogische Begriffe wie Arbeitsverhalten, Sozialkompetenz oder Lernhaltung sind Behälter, in die alles passt. Bitten Sie um ein konkretes Beispiel aus der letzten Woche. Zeigen Sie, dass Sie die Rahmenbedingungen kennen: Eine Lehrkraft mit 28 Kindern kann nicht jedes einzelne im Blick haben, und wer das anerkennt, bekommt ehrlichere Antworten als wer es einfordert. Und behalten Sie die Zeit im Auge. Wenn ein Thema mehr braucht als der Sprechtag hergibt, bitten Sie um einen eigenen Termin, statt den Eltern nach Ihnen die Zeit zu nehmen. Das wird registriert, in beide Richtungen.

Wenn Sie etwas hören, das Sie nicht hören wollten

Manchmal sitzt man da und erfährt, dass das eigene Kind stört, streitet, überfordert ist, sich zurückzieht. Der erste Impuls ist Verteidigung, und der ist zutiefst menschlich. Er hilft nur nicht. Atmen Sie durch. Fragen Sie nach Beispielen. Und nehmen Sie die Information erst einmal mit, ohne sofort zu reagieren oder zuzustimmen. Ein Satz wie: Das überrascht mich, ich möchte darüber nachdenken und mit meinem Kind sprechen, können wir in zwei Wochen telefonieren, ist keine Schwäche. Er ist souverän, und er verhindert Entscheidungen, die man am nächsten Tag bereut.

Umgekehrt gilt dasselbe. Wenn Sie der Lehrkraft etwas Unangenehmes sagen müssen, sagen Sie es als Beobachtung und Bitte, nicht als Vorwurf, und nicht vor anderen Eltern im Flur. Und was Sie danach auf keinen Fall tun sollten: den Konflikt über das Kind austragen. Das Kind ist nicht der Bote zwischen Eltern und Schule, und es ist auch nicht der Schiedsrichter.

Grundschule und weiterführende Schule sind zwei verschiedene Sprechtage

In der Grundschule sitzen Sie meist der Klassenleitung gegenüber, die Ihr Kind in fast allen Fächern erlebt. Diese Gespräche sind ganzheitlich, es geht um Entwicklung, um das Sozialverhalten, um das Kind als Ganzes. Nutzen Sie sie, um die Lehrkraft als Menschen kennenzulernen, denn sie prägt vier Jahre. An der weiterführenden Schule zerfällt das Bild in Fachlehrkräfte, die Ihr Kind zwei bis vier Stunden pro Woche sehen. Dort lohnt es sich, gezielt zu den Fächern zu gehen, in denen es hakt, und die Klassenleitung nach dem Gesamtbild zu fragen. Planen Sie die Reihenfolge vorher. Die Wartezeiten summieren sich, und die wichtigste Lehrkraft sollte nicht die sein, für die am Ende keine Zeit bleibt.

Danach

Notieren Sie noch am selben Abend die wichtigsten Punkte und Vereinbarungen. Nach dem dritten Gespräch verschwimmt alles, und in zwei Wochen wissen Sie nicht mehr, ob die Lehrerin von der Lesegeschwindigkeit oder vom Leseverständnis gesprochen hat. Wenn Sie etwas zugesagt haben, halten Sie es ein, Lehrkräfte merken sich das sehr genau. Und sprechen Sie mit Ihrem Kind über das Gespräch, ehrlich und altersgerecht, ohne jedes Detail. Vor allem: Erzählen Sie auch das Gute weiter. Kinder hören von Sprechtagen fast immer nur, was schiefläuft, und lernen daraus, dass Erwachsene hinter ihrem Rücken über Probleme reden. Wenn Ihr Kind hört, dass die Lehrerin gesagt hat, es sei eine Bereicherung für die Klasse, dann trägt das Wochen.

Der Sprechtag ist nur ein Termin

Der größte Fehler ist, den Sprechtag als einzigen Kontakt im Jahr zu behandeln und dann überrascht zu sein, was sich angestaut hat. Jede Lehrkraft hat Sprechzeiten oder ist über die Kommunikationswege der Schule erreichbar. Ein kurzes Gespräch im Oktober, wenn sich etwas verändert, wirkt oft mehr als das große im Februar. Wenn Sie keinen Sprechtagstermin bekommen oder ein Anliegen mehr Zeit braucht, schreiben Sie eine kurze, freundliche Nachricht mit zwei Terminvorschlägen und dem Thema in einem Satz. Auf konkrete Anfragen reagieren Lehrkräfte deutlich schneller als auf ein Können wir mal reden.

Gehen Sie zu den Elternabenden. Dort erfahren Sie, was die Klasse als Ganzes beschäftigt, und Sie lernen die Eltern kennen, mit denen Sie bei Konflikten sowieso zusammenarbeiten müssen. Und achten Sie darauf, wie die Schule mit Eltern insgesamt umgeht, ob sie Kontakt ermöglicht oder erduldet. Das ist eines der verlässlichsten Qualitätsmerkmale einer Schule, und es ist ein Punkt, den Eltern in ihren Erfahrungsberichten auf Schulerfahrung.com immer wieder ansprechen, positiv wie negativ.

Zurück in den Flur mit den kleinen Stühlen. Ein Elternsprechtag gleicht zwei Blicke auf dasselbe Kind ab, und beide Blicke sind unvollständig. Mit einem Zeugnisgespräch hat das wenig zu tun. Wer vorbereitet kommt, zuerst zuhört und die Lehrkraft als Partner behandelt, bekommt in zehn Minuten mehr Einblick als in einem Schuljahr voller Vermutungen. Und das Kind bekommt das, was es am meisten braucht: Erwachsene, die miteinander reden statt übereinander.

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