Ratgeber › Rechte in der Schule
Wie viele Fehltage darf man in der Schule haben?
Dritter Tag mit Fieber, und irgendwann zwischen zwei Tassen Tee kommt der Gedanke, der einem sonst nie kommt: Wie viele Fehltage habe ich eigentlich schon in diesem Halbjahr? Die Woche im November, als der Magen verrückt spielte. Der Zahnarzt. Der eine Montag, über den wir nicht reden. Und plötzlich fragst du dich, ob es irgendwo eine Zahl gibt, ab der es Ärger gibt. Ab der man sitzenbleibt. Ab der jemand anruft.
Die kurze Antwort: Eine feste Zahl gibt es nicht. In keinem Schulgesetz der 16 Bundesländer steht, wie viele Fehltage erlaubt sind. Was zählt, ist nicht die Anzahl, sondern ob die Tage entschuldigt sind und ob die Schule deine Leistung noch bewerten kann. Zwischen dreißig entschuldigten Krankheitstagen und fünf unentschuldigten liegen Welten, und die fünf sind das eigentliche Problem. Warum das so ist und wo trotzdem Grenzen liegen, erklärt dieser Text.
Entschuldigt oder unentschuldigt, das ist die einzige Frage, die zählt
Du bist schulpflichtig, in den meisten Ländern neun oder zehn Jahre lang, danach folgt die Berufsschulpflicht. Schulpflicht heißt nicht nur, dass du angemeldet bist, sondern dass du regelmäßig und pünktlich am Unterricht teilnimmst. Fehlst du, muss dafür ein Grund vorliegen, den die Schule akzeptiert: Krankheit, ein Arzttermin, der sich nicht anders legen ließ, ein Trauerfall, ein religiöser Feiertag, eine Beurlaubung, die du vorher beantragt hast. Wenn deine Eltern das mitteilen, und zwar so, wie die Schulordnung es verlangt, ist der Tag entschuldigt. Wie viele solcher Tage sich im Jahr sammeln, spielt für die Schulpflicht keine Rolle. Ein Kind mit einer langen Krankheit kann ein halbes Jahr fehlen und verstößt gegen nichts.
Ein Fehltag ohne akzeptierten Grund ist etwas völlig anderes. Er ist ein Verstoß gegen die Schulpflicht, und Verstöße gegen die Schulpflicht sind in allen Bundesländern Ordnungswidrigkeiten. Nicht sofort, nicht beim ersten Mal, aber die Mechanik läuft dann an. Die Frage, wie viele Fehltage man haben darf, meint deshalb eigentlich: Wie viele unentschuldigte Fehltage gehen durch, bevor etwas passiert? Und darauf gibt es eine ehrliche Antwort: weniger, als die meisten denken.
Wie eine Entschuldigung richtig aussieht
Die genauen Regeln stehen in der Schulordnung deiner Schule, und sie unterscheiden sich mehr, als man vermuten würde. Fast überall gilt: Am ersten Tag müssen deine Eltern die Schule informieren, meist bis Unterrichtsbeginn, per Anruf, E-Mail oder über die Schul-App. Das ist die Krankmeldung. Die schriftliche Entschuldigung kommt dann nach der Rückkehr, an vielen Schulen innerhalb von drei Tagen, unterschrieben von einem Elternteil. Bist du 18, unterschreibst du selbst. Wer die Frist verpasst, riskiert, dass die Tage als unentschuldigt eingetragen werden, auch wenn du wirklich krank warst. Das ist keine Spitzfindigkeit der Schule, sondern der Punkt, an dem die meisten unentschuldigten Fehltage im Zeugnis tatsächlich entstehen: nicht durch Schwänzen, sondern durch einen vergessenen Zettel.
Ein ärztliches Attest brauchst du normalerweise nicht für jeden Tag. Viele Schulen verlangen es ab dem dritten Krankheitstag in Folge, andere erst, wenn du auffällig oft oder immer an denselben Tagen fehlst. Und für Klassenarbeiten gilt eine Sonderregel: Wer am Tag einer angekündigten Arbeit fehlt, muss an vielen Schulen ein Attest vorlegen, sonst gilt die Arbeit als verweigert und wird mit der schlechtesten Note bewertet. In der Oberstufe wird das noch strenger gehandhabt. Dort kann eine Schule bei wiederholtem Fehlen an Klausurtagen eine Attestpflicht anordnen, die dann für das ganze Halbjahr gilt.
Wann die Schule den Hebel umlegt
Bei ein oder zwei unentschuldigten Tagen passiert in der Regel wenig Formales: Die Klassenleitung spricht dich an, ruft zu Hause an, trägt es ins Klassenbuch ein. Ab etwa dem dritten unentschuldigten Tag verschicken viele Schulen eine schriftliche Mahnung an die Eltern, oft verbunden mit einer Einladung zum Gespräch. Das ist der Moment, in dem sich das Ganze noch leicht drehen lässt. Wer dann kommt und erklärt, hat meist keine weiteren Folgen.
Wer nicht kommt oder weiter fehlt, löst den nächsten Schritt aus: die Meldung an das Ordnungsamt oder das Schulamt. Wann genau das geschieht, regelt jedes Land anders. Sachsen meldet bereits nach fünf unentschuldigten Fehltagen, andere Länder nach zehn, Thüringen spricht ab elf Tagen von beständigem Fernbleiben und ab zwanzig von massivem. Die Behörde lädt dann zur Anhörung, und wer dort keine tragfähigen Gründe vorlegt, bekommt einen Bußgeldbescheid. In den meisten Ländern liegt die Obergrenze bei 1.000 Euro, in Thüringen und Rheinland-Pfalz bei 1.500 Euro, in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern bei 2.500 Euro. Baden-Württemberg rechnet pro Fehltag ab, je nach Fall 50 bis 300 Euro. Diese Bußgelder treffen bis zu deinem 14. Geburtstag ausschließlich deine Eltern. Ab 14 kannst du selbst der Adressat sein, und dann kommt statt Geld oft eine Arbeitsauflage, zum Beispiel Stunden in einer sozialen Einrichtung. In hartnäckigen Fällen kann das Jugendamt eingeschaltet werden, in Extremfällen holt die Polizei Schüler morgens zu Hause ab. Das kommt vor, aber es ist das Ende einer langen Kette, nicht ihr Anfang.
Dass diese Kette häufiger anläuft als früher, zeigen die Zahlen. In Thüringen fehlten im Schuljahr 2024/25 zwei Prozent aller Schülerinnen und Schüler mindestens elf Tage unentschuldigt, zehn Jahre zuvor waren es 0,9 Prozent. In Erfurt wurden 2024 rund 57 Prozent mehr Bußgeldverfahren wegen Schulpflichtverletzungen eingeleitet als im Jahr davor, in niedersächsischen Städten wie Göttingen und Oldenburg stiegen die registrierten Fehltage binnen eines Jahres um 20 bis 30 Prozent. Die Ministerpräsidenten haben das Thema im Frühjahr 2026 zur gemeinsamen Sache erklärt. Die Schulen sind also angehalten, genauer hinzusehen, und viele tun das inzwischen.
Die andere Grenze: wenn die Note nicht mehr feststellbar ist
Es gibt eine zweite Wirkung von Fehltagen, die nichts mit Bußgeldern zu tun hat und auch entschuldigte Tage betrifft. Wer sehr viel fehlt, egal warum, hat irgendwann zu wenig bewertbare Leistungen. In Klassenarbeiten kann man nachschreiben, aber die mündliche Note, die Mitarbeit, die Referate entstehen im Unterricht, und wenn du die Hälfte davon verpasst hast, kann die Lehrkraft am Ende sagen: Note nicht feststellbar. Im Zeugnis erscheint dann ein Strich oder eine Bemerkung statt einer Zahl, und in der Oberstufe kann ein Kurs als nicht belegt gelten, was dich einen ganzen Baustein fürs Abitur kosten kann.
Eine feste Prozentgrenze gibt es dafür nicht, aber als Faustregel nennen Lehrkräfte oft ein Drittel der Unterrichtszeit eines Halbjahres: Wer mehr verpasst hat, ist in der Gefahrenzone, unabhängig von der Begründung. Bei einer langen Krankheit ist das kein Versagen, aber es bedeutet, dass du und deine Eltern früh mit der Schule sprechen solltet. Es gibt Nachteilsausgleiche, Nachprüfungen, Hausunterricht und die freiwillige Wiederholung, und alle funktionieren besser, wenn sie geplant sind, statt im Juli als Überraschung zu kommen. Was die Versetzungsordnungen genau vorsehen und wo Fehlzeiten dabei eine Rolle spielen, beschreibt der Ratgeber Sitzenbleiben: Wann es droht.
Was im Zeugnis landet
Fehltage stehen im Zeugnis, in fast allen Ländern getrennt nach entschuldigt und unentschuldigt, manchmal zusätzlich mit Fehlstunden. Entschuldigte Tage interessieren später niemanden. Unentschuldigte Tage schon. Ausbildungsbetriebe schauen bei Bewerbungen sehr genau auf diese eine Zeile, weil sie für sie das ist, was du kaum widerlegen kannst: ein Hinweis darauf, ob jemand zuverlässig erscheint. Drei unentschuldigte Tage im Zeugnis der neunten Klasse kosten dich bei einer Bewerbung mehr als eine schlechte Note in Physik. Wie Zeugnisse insgesamt zu lesen sind und was Bemerkungen dort bedeuten, erklärt der Ratgeber Zeugnis verstehen.
Deshalb lohnt es sich, unentschuldigte Einträge nicht einfach hinzunehmen. Wenn du weißt, dass du krank warst, die Entschuldigung aber zu spät kam, bitte die Klassenleitung um eine nachträgliche Korrektur. Viele machen das, wenn der Grund glaubhaft ist und es das erste Mal war. Kurz vor dem Zeugnis ist es zu spät, im laufenden Halbjahr fast immer möglich.
Wenn hinter den Fehltagen etwas anderes steckt
Bis hierhin ging es um Regeln. Aber die meisten Jugendlichen, die häufig fehlen, tun das nicht aus Faulheit, und die Bußgeldkataloge der Länder helfen ihnen kein Stück. Wer morgens Bauchschmerzen hat, sobald es Richtung Schule geht, wer bestimmte Tage meidet, weil dort eine bestimmte Klasse oder eine bestimmte Lehrkraft wartet, wer sich nicht mehr traut, den Klassenraum zu betreten, der hat kein Schulpflichtproblem, sondern ein anderes, und es gibt Menschen, die dafür zuständig sind. Die Schulsozialarbeit, die Beratungslehrkraft, der Vertrauenslehrer sind an den meisten Schulen genau dafür da, und ein Gespräch dort ist keine Anzeige, sondern der Anfang einer Lösung. Wenn du nicht in der Schule reden willst, gibt es die Nummer gegen Kummer, 116 111, kostenlos und anonym. Was hinter dem Nicht-mehr-hinwollen stecken kann, beschreibt unser Ratgeber zur Schulangst, der für Eltern geschrieben ist, aber auch dir zeigt, dass du damit nicht allein bist.
Zurück zu deiner Krankheitswoche. Drei Tage Fieber, eine Krankmeldung am ersten Tag, ein Zettel nach der Rückkehr, fertig. Das ist die Normalität, so sehen die meisten Fehltage aus, und niemand wird deswegen anrufen. Die Zahl, nach der du gesucht hast, existiert nicht, aber es gibt eine Regel, die zuverlässig funktioniert: Fehl nie, ohne dass jemand Bescheid weiß, und lass keinen Tag unentschuldigt stehen, den du erklären kannst. Alles andere ist mit den Menschen an deiner Schule zu klären, und wie gut die dabei zuhören, erfährst du unter anderem in den Erfahrungsberichten von Schülern und Eltern auf Schulerfahrung.com.
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