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Nach der Schule: Studium, Ausbildung, Freiwilligendienst oder Auslandsjahr

Der letzte Schultag ist vorbei, das Zeugnis liegt in der Schublade, und die Frage, die Verwandte seit zwei Jahren stellen, wird plötzlich ernst: Und was machst du jetzt? Für einen Teil der Achtzehnjährigen steht die Antwort seit Klasse 10 fest. Für die anderen beginnt eine Phase, die sich anfühlt wie Freiheit und Druck zugleich, und in der Eltern zwischen dem Impuls zu drängen und dem Impuls zu schweigen schwanken. Beides ist verständlich, beides hilft wenig. Was hilft, ist ein Überblick über die Wege, die es gibt, und ein ehrliches Wort dazu, wie man zwischen ihnen wählt.

Das Studium

Rund die Hälfte eines Jahrgangs beginnt in Deutschland inzwischen ein Studium, und die Auswahl ist unüberschaubar: mehr als 20.000 Studiengänge an über 400 Hochschulen, von Anglistik bis Zahnmedizin, in Vollzeit, dual, berufsbegleitend, online. Die Frage, ob ein Studium der richtige Weg ist, hat wenig mit dem Abitur zu tun und viel mit der Person. Wer gern liest, denkt, schreibt, sich in Themen vertieft, wer die Freiheit selbstorganisierten Lernens als Chance empfindet und nicht als Leere, ist an der Hochschule richtig. Wer Struktur braucht, Praxis will und den Sinn dessen, was er lernt, unmittelbar sehen möchte, ist dort oft unglücklich, und die Abbruchquoten von rund einem Drittel in vielen Studiengängen sagen genau das.

Zwischen den Extremen liegen Wege, die zu wenig gesehen werden. Das duale Studium verbindet Hochschule und Betrieb, mit Gehalt und Praxis, und ist in Wirtschaft, Technik, Informatik und Verwaltung breit ausgebaut; die Plätze sind begehrt, die Bewerbung läuft oft ein Jahr vorher. Fachhochschulen, heute Hochschulen für angewandte Wissenschaften, sind praxisnäher als Universitäten und für viele Berufe der bessere Weg. Und die Frage, ob Universität oder Fachhochschule, klärt der Ratgeber Abitur oder Fachabitur. Wer ein Studium beginnt, sollte zwei Dinge wissen: Der Studiengang lässt sich wechseln, und die ersten Semester sind eine Probezeit, keine Lebensentscheidung.

Die Ausbildung

Der Weg, den in der Nachkriegszeit die Mehrheit nahm und den heute viele Abiturienten nicht mehr in Betracht ziehen, aus einem Grund, der bei näherem Hinsehen keiner ist: Er gelte als weniger. Das Gegenteil ist der Fall. Rund 320 anerkannte Ausbildungsberufe, zwei bis dreieinhalb Jahre, Gehalt von Anfang an, ein Abschluss, der in vielen Berufen mehr gesucht wird als ein Bachelor, und ein Weg, der später zum Studium führen kann, über Meister, Fachwirt, Techniker oder mit drei Jahren Berufserfahrung direkt an die Hochschule. Betriebe reißen sich um Abiturienten in der Ausbildung, gerade in Handwerk, Technik und im kaufmännischen Bereich, und viele bieten Zusatzqualifikationen, Auslandsaufenthalte und Übernahmegarantien. Wer mit achtzehn eine Ausbildung beginnt, ist mit einundzwanzig fertig und hat Geld, Erfahrung und eine Ahnung davon, was er wirklich will. Das ist ein Vorteil gegenüber vielen, die mit einundzwanzig im vierten Semester eines Fachs sitzen, das sie nicht mehr interessiert.

Der Freiwilligendienst

Ein Jahr im sozialen, ökologischen, kulturellen oder sportlichen Bereich, im Krankenhaus, im Kindergarten, im Naturschutz, im Theater, in der Behindertenhilfe, in Deutschland oder im Ausland. Das Freiwillige Soziale Jahr, das Freiwillige Ökologische Jahr und der Bundesfreiwilligendienst dauern in der Regel zwölf Monate, bieten Seminare, ein Taschengeld von einigen hundert Euro, Sozialversicherung, und das Kindergeld läuft während der Zeit weiter. Der Freiwilligendienst ist für viele Achtzehnjährige das Jahr, in dem sie zum ersten Mal Verantwortung tragen, mit Menschen arbeiten, die anders leben, und herausfinden, was sie können. Für Studiengänge im sozialen und medizinischen Bereich ist er oft Voraussetzung oder bringt Wartezeitpunkte, und für alle anderen ist er die beste Antwort auf die Frage, was man will, wenn man es noch nicht weiß. Die Bewerbung läuft über die Träger, meist ein halbes Jahr vorher, beliebte Stellen sind früh vergeben.

Das Jahr im Ausland

Work and Travel in Australien, Au-pair in Frankreich, ein Sprachkurs in Spanien, ein Praktikum in London, ein Freiwilligendienst über weltwärts oder den Europäischen Solidaritätskorps: Das Auslandsjahr ist die Option, die am meisten Sehnsucht auslöst und am meisten Geld kostet, je nach Programm zwischen fast nichts und mehreren tausend Euro. Es lohnt sich, wenn es mehr ist als eine verlängerte Ferienreise, und die Programme, die am meisten bringen, sind die, in denen man arbeitet, in Familien lebt oder eine Sprache in Situationen lernt, die keine Sprachschule bietet. Ein Auslandsjahr ist kein Lebenslauf-Loch, im Gegenteil, aber es sollte einen Plan haben, was danach kommt, damit es nicht zum Aufschub wird.

Die Lücke, die erlaubt ist

Nicht jeder Achtzehnjährige muss am 1. September irgendwo anfangen. Ein halbes Jahr arbeiten, Geld verdienen, jobben, ausprobieren, Bewerbungen schreiben, sich ein Bild machen: Das ist legitim, und die Zeit ist besser genutzt, als aus Verlegenheit ein Studium zu beginnen, das man nach zwei Semestern abbricht. Was Eltern dabei tun können, ist der schwierigste Teil: Den Jugendlichen die Lücke lassen, ohne sie zu füllen, und gleichzeitig darauf achten, dass sie nicht zur Gewohnheit wird. Ein Halbjahr mit Job und Suche ist ein Plan. Ein Jahr auf dem Sofa ist keiner.

Wie man wählt

Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit bietet Einzelgespräche, Tests und Informationen, die besser sind als ihr Ruf, und sie ist kostenlos. Studienberatungen der Hochschulen beantworten konkrete Fragen zu Fächern, Zugang und Inhalt. Praktika, auch kurze, zwei Wochen in einem Betrieb, klären mehr als zehn Gespräche. Und Menschen, die den Beruf ausüben, den man erwägt, erzählen bei einem Kaffee, was kein Berufsbild verrät.

Und die Fristen: Wer im Herbst studieren will, muss sich bei zulassungsbeschränkten Fächern bis Mitte Juli bewerben, bei Medizin und Co. über hochschulstart.de. Ausbildungsplätze für den Herbst sind in großen Betrieben ein Jahr vorher vergeben, im Mittelstand und Handwerk oft bis in den Sommer offen. Freiwilligendienste und duale Studiengänge laufen mit Vorlauf von einem halben bis ganzen Jahr. Wer im Frühjahr der Abschlussklasse anfängt, alles zu sortieren, hat Auswahl. Wer im August anfängt, nimmt, was übrig ist.

Das Geld

Für die Entscheidung spielt es eine größere Rolle, als in Beratungsgesprächen zugegeben wird. Ein Studium kostet, auch ohne Studiengebühren, in den meisten Städten 900 bis 1.200 Euro im Monat für Miete, Essen, Semesterbeitrag, Bücher, und das über drei bis fünf Jahre. BAföG deckt bei entsprechendem Elterneinkommen einen Teil, zur Hälfte als Zuschuss, zur Hälfte als zinsloses Darlehen; Stipendien der Begabtenförderungswerke und der Deutschlandstipendien erreichen deutlich mehr Studierende, als sich bewerben. Eine Ausbildung bringt vom ersten Monat Geld, je nach Branche zwischen 700 und 1.300 Euro, und ein duales Studium liegt dazwischen. Ein Freiwilligendienst zahlt Taschengeld, das Kindergeld läuft weiter, Wohnen bleibt meist Sache der Familie. Wer über die Wege spricht, sollte das Geld offen mitbesprechen, denn ein Studium, das die Familie an die Grenze bringt, ist eine Last, die der Studierende spürt, und eine Ausbildung, die er nur wegen des Geldes wählt, eine, die er bereut.

Was Eltern tun können

Zuhören statt vorschlagen, wenigstens in der ersten Runde. Fragen stellen, die öffnen: Was hat dir in der Schule gefehlt, was war zu viel, wann hast du die Zeit vergessen. Die eigenen Wünsche als Wünsche kenntlich machen und nicht als Ratschlag verkleiden. Den Weg des Kindes ernst nehmen, auch wenn er nicht der eigene gewesen wäre; die Zahnmedizinische Fachangestellte mit Abitur ist keine Verschwendung, und der Philosophiestudent mit Realschulhintergrund über das berufliche Gymnasium kein Risiko. Und wissen, dass fast jede Entscheidung mit achtzehn revidierbar ist. Das deutsche System ist an dieser Stelle durchlässiger als je zuvor, nach oben, nach unten, zur Seite, und es gibt kaum einen Weg, der mit zwanzig noch geschlossen wäre.

Die Frage der Verwandten, was du jetzt machst, hat also eine Antwort, die kein Achtzehnjähriger gibt und die trotzdem die richtige ist: etwas, das mich weiterbringt, für ein Jahr, und dann sehe ich weiter. Wer das mit einem Plan sagt, hat verstanden, worum es geht. Und wer noch keinen hat, sollte im Ratgeber zum mittleren Schulabschluss nachlesen, wie viele Straßen von einer einzigen Kreuzung abgehen. Nach dem Abitur sind es noch ein paar mehr.

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