Ratgeber › Noten und Prüfungen
Darf ein Lehrer meine Note nachträglich ändern?
Die Klassenarbeit kam vor zwei Wochen zurück, eine 2, du hast sie zu Hause gezeigt und abgeheftet. Heute sagt die Lehrerin, sie habe beim Eintragen gemerkt, dass sie bei Aufgabe 4 zu viele Punkte gegeben habe, es sei doch eine 3. Oder, der andere Fall: Im Halbjahreszeugnis steht in Englisch eine 3, und im Elterngespräch heißt es, das sei ein Übertragungsfehler gewesen, eigentlich stehe eine 4 im Notenbuch. Darf sie das? Gilt eine Note nicht, wenn sie einmal da steht?
Die kurze Antwort: Es kommt darauf an, welche Note und warum. Eine Klassenarbeitsnote darf die Lehrkraft nachträglich korrigieren, wenn sie einen Fehler gemacht hat, nach oben wie nach unten, denn eine falsche Note bleibt falsch, auch wenn sie schon unter der Arbeit stand. Sie darf sie nicht ändern, weil sie ihre Meinung geändert hat, weil du gestört hast oder weil die Klasse zu gut war. Eine Zeugnisnote dagegen ist nach der Zeugniskonferenz weitgehend fest; Schreib- und Übertragungsfehler dürfen berichtigt werden, eine neue Bewertung ist nicht mehr möglich. Und wenn an der Note etwas hängt, die Versetzung oder ein Abschluss, gelten strengere Regeln, weil sie ein Verwaltungsakt ist. Der Unterschied zwischen „Fehler korrigieren" und „Bewertung ändern" ist der Kern dieses Textes, und er entscheidet, ob die 3 in Aufgabe 4 zulässig ist.
Klassenarbeit: Fehler ja, Meinungswechsel nein
Eine Note unter einer Klassenarbeit ist kein Verwaltungsakt, sondern eine Bewertung im laufenden Unterricht, und das macht sie beweglicher, als viele denken. Die Lehrkraft, die beim Eintragen merkt, dass sie Punkte falsch addiert hat, dass sie eine Aufgabe übersehen hat, dass sie bei dir Punkte gegeben hat, die sie nach dem Erwartungshorizont nicht geben durfte, darf und muss das korrigieren. Die Begründung ist dieselbe wie bei dir, wenn du eine Note anfechtest: Eine Bewertung muss auf richtigen Tatsachen beruhen, und wenn die Tatsachen falsch waren, ist die Note falsch. Das gilt in beide Richtungen, und es gilt auch zwei Wochen später. Was die Lehrkraft dabei tun muss: dir sagen, was der Fehler war, und dir die korrigierte Arbeit zeigen. Eine Note, die ohne Erklärung schlechter wird, ist genau das, wogegen du ein Auskunftsrecht hast, wie der Ratgeber Was tun, wenn ich unfair benotet werde? beschreibt.
Nicht erlaubt ist die andere Art der Änderung. Die Lehrkraft hat deine Argumentation bei der Korrektur für ausreichend gehalten und findet sie zwei Wochen später zu dünn: Das ist kein Fehler, sondern eine neue Bewertung derselben Leistung, und die ist nach allgemeinen Bewertungsgrundsätzen nicht zulässig, weil eine Note sonst nie verlässlich wäre. Die Klasse war insgesamt zu gut und die Lehrkraft senkt nachträglich alle Noten: nicht zulässig, denn der Maßstab muss vor der Korrektur feststehen, nicht nach dem Ergebnis. Du hast dich in der Nachbesprechung beschwert und bekommst am nächsten Tag eine schlechtere Note: nicht zulässig, und zwar als sachfremde Erwägung, die auch vor Gericht nicht hält. Und die Note wird geändert, weil ein Mitschüler gepetzt hat, dass du abgeschrieben hast: Das ist ein eigenes Verfahren, ein Täuschungsvorwurf, und der braucht Anhörung und Belege, keine stillschweigende Korrektur.
Wie erkennst du den Unterschied? An der Begründung.
„Ich habe bei Aufgabe 4 falsch gezählt, hier sind die Punkte"
br/>ist eine Fehlerkorrektur.
„Ich habe mir das noch einmal angesehen und finde, das ist eher eine 3" ist ein Meinungswechsel. Beim ersten kannst du nachrechnen und, wenn es stimmt, wenig tun. Beim zweiten hast du einen Fall, und der Weg ist das Gespräch mit der Lehrkraft, dann die Beschwerde bei der Schulleitung, schriftlich, mit der ursprünglichen Note und dem Datum der Änderung.
Zeugnis: fest, mit zwei Ausnahmen
Die Zeugnisnote ist etwas anderes. Sie wird nicht von der Lehrkraft allein festgesetzt, sondern in der Zeugniskonferenz beschlossen, in der die Lehrkräfte der Klasse über alle Noten beraten und sie förmlich feststellen. Nach der Konferenz ist die Note beschlossen, und die Lehrkraft kann sie nicht mehr allein ändern, auch nicht, wenn sie es wollte, weil sie dann einen Konferenzbeschluss überschreiben würde. Zwei Ausnahmen gibt es. Die erste sind Schreib- und Übertragungsfehler: Wenn im Notenbuch eine 4 steht, die Konferenz über eine 4 beraten hat und im gedruckten Zeugnis eine 3 steht, ist das ein Versehen, das berichtigt werden darf und muss, in der Regel durch die Schulleitung mit einem neuen Zeugnis. Das ist der Englisch-Fall vom Anfang, und er ist ärgerlich, aber zulässig, weil die 3 nie beschlossen war. Die zweite Ausnahme ist die umgekehrte: Wenn sich nach der Konferenz herausstellt, dass eine Note auf einem Fehler beruhte, etwa einer falsch berechneten Klassenarbeit, kann die Konferenz erneut zusammentreten und die Note ändern, und das geschieht in der Praxis fast nur zu Gunsten des Schülers, oft nach einer Beschwerde.
Was nicht geht: Dass eine Lehrkraft nach dem Zeugnis sagt, sie habe sich bei der mündlichen Note vertan, und die Zeugnisnote um eine Stufe senkt. Was auch nicht geht: Dass eine Note geändert wird, ohne dass du und deine Eltern davon erfahren. Jede Änderung einer Zeugnisnote muss mitgeteilt und begründet werden, und wenn sie zu deinem Nachteil ist, müsst ihr vorher angehört werden. Wie die Zeugnisnote überhaupt zustande kommt und wo der Spielraum der Lehrkraft liegt, erklärt der Ratgeber Wie wird eine Zeugnisnote berechnet?.
Wenn an der Note etwas hängt
Das Jahreszeugnis mit Versetzungsentscheidung, das Abschlusszeugnis, die Kursnote der Oberstufe, die ins Abitur eingeht: Diese Noten sind Verwaltungsakte, und für Verwaltungsakte gibt es im Verwaltungsverfahrensrecht feste Regeln, wann sie nachträglich geändert werden dürfen. Offenbare Unrichtigkeiten, also Schreib- und Rechenfehler, dürfen jederzeit berichtigt werden. Eine Änderung zu deinem Nachteil, die auf einer neuen Bewertung beruht, ist dagegen nur unter engen Voraussetzungen möglich, in der Regel nur innerhalb eines Jahres und nur, wenn die Schule nachweist, dass die ursprüngliche Entscheidung rechtswidrig war. In der Oberstufe wird eine Kursnote mit dem Halbjahreszeugnis bestandskräftig, für dich und für die Schule. Wer dort nach einem Jahr eine Note nach unten korrigieren will, braucht sehr gute Gründe, und wer sie nach oben korrigiert haben will, muss den Widerspruch innerhalb eines Monats eingelegt haben. Was Eltern in diesen Fällen tun können, beschreibt der Ratgeber Kann man gegen eine Schulnote vorgehen?.
Was du tun kannst, und was du nicht tun solltest
Wenn eine Note geändert wird, verlange die Begründung, und zwar so, dass du sie nachprüfen kannst: die Arbeit, die Punkte, den Erwartungshorizont. Rechne nach. Wenn die Lehrkraft recht hat, ist es bitter, aber korrekt, und es lohnt sich nicht, darum zu kämpfen. Wenn die Begründung ein Meinungswechsel ist, sag das, ruhig:
„Das ist keine Korrektur eines Fehlers, sondern eine neue Bewertung, und ich bitte darum, dass die ursprüngliche Note bleibt."
Wenn das nicht hilft, Eltern, Schulleitung, schriftlich. Was nicht hilft, ist der Satz
„eine Note, die einmal steht, steht",
denn er ist falsch, und die Lehrkraft weiß das. Richtig ist: Eine Note, die richtig war, bleibt. Eine Note, die falsch war, wird korrigiert, und zwar in beide Richtungen. Das ist unbequem bei Aufgabe 4, und es ist das, was dich schützt, wenn die Lehrkraft bei dir Punkte vergessen hat.
Was hier steht, ist keine Rechtsberatung; bei Versetzung, Abschluss und Oberstufe ist der Fachanwalt für Schulrecht die richtige Adresse, und die Fristen laufen. Für die 2, die zur 3 werden soll, reicht ein Satz:
„Zeigen Sie mir bitte, wo der Fehler war."
Ob Lehrkräfte an einer Schule ihre Bewertungen erklären, ob Noten dort nachvollziehbar sind oder sich still verändern, ist eine der Fragen, die kein Infoabend beantwortet - die Antworten findet mal allerdings hier:
Bewerte deine Schule und hilf anderen
Deine Erfahrungen aus dem Schulalltag können für andere Schüler und Eltern interessant sein. Auf unserem Schul-Bewertungsportal findest du deine Schule mit wenigen Klicks. Dort kannst du eine vorhandene Bewertung ergänzen oder als Erster deine Erfahrungen veröffentlichen.
Wie ist die Schule vor Ort wirklich?
Finde deine Schule und lies echte, verifizierte Erfahrungen von Eltern und Schülern.
Schule finden