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Private oder öffentliche Schule: Was wirklich besser ist

Auf Elternabenden in der Kita fällt der Satz meistens gegen Ende, halb im Scherz: Und, schickt ihr eure auf die Private? Dahinter steckt eine Mischung aus Neugier, Statusfrage und echter Sorge, das Beste für das eigene Kind zu verpassen. Etwa jedes elfte Schulkind in Deutschland besucht eine Schule in freier Trägerschaft, der Anteil ist über die letzten zwanzig Jahre langsam gestiegen. Um diese Schulen ranken sich zwei entgegengesetzte Mythen, das Eliteinternat auf der einen, die Auffangstation für Gescheiterte auf der anderen Seite. Beide beschreiben eine kleine Minderheit. Der Alltag der meisten Privatschulen sieht anders aus.

Was privat in Deutschland überhaupt heißt

Privat bedeutet zunächst nur: Der Träger ist nicht der Staat. Es kann eine Kirche sein, ein Elternverein, eine Stiftung, ein Unternehmen. Die große Mehrheit dieser Schulen sind sogenannte Ersatzschulen. Sie ersetzen den Besuch einer öffentlichen Schule, stehen unter staatlicher Aufsicht, führen zu denselben Abschlüssen und werden vom Land zu einem erheblichen Teil finanziert. Ein Abitur an einem katholischen Gymnasium in Münster oder an einer Waldorfschule in Freiburg ist rechtlich exakt dasselbe Abitur wie das an der staatlichen Schule daneben.

Daneben gibt es Ergänzungsschulen, und diesen Unterschied sollte jeder kennen, der über eine Privatschule nachdenkt. Ergänzungsschulen, dazu zählen ein Teil der internationalen Schulen und viele berufliche Spezialschulen, unterliegen einer deutlich geringeren staatlichen Kontrolle und führen nicht automatisch zu deutschen Schulabschlüssen. Das International Baccalaureate etwa wird für den Hochschulzugang anerkannt, unter Bedingungen, die man kennen sollte; andere Abschlüsse müssen extern nachgeprüft werden. Wer sich eine Schule anschaut, die nicht ausdrücklich als staatlich anerkannte oder genehmigte Ersatzschule firmiert, sollte eine einzige Frage stellen und auf eine klare Antwort bestehen: Welchen Abschluss macht mein Kind hier, und wo genau ist der anerkannt? Für internationale Konzepte gibt es dazu einen eigenen Ratgeber.

Was sie kostet, und was das Grundgesetz dazu sagt

Die Spanne ist riesig. Viele kirchliche Schulen verlangen unter 100 Euro im Monat, manche gar nichts. Waldorf- und Montessorischulen liegen oft zwischen 150 und 400 Euro, gestaffelt nach Einkommen. Internationale Schulen und einige Internate kommen auf vierstellige Monatsbeträge. Dazu kommen häufig eine Aufnahmegebühr, Kosten für Ganztag, Essen, Material, Fahrten.

Ein Punkt, den viele Eltern nicht kennen: Artikel 7 Absatz 4 des Grundgesetzes verbietet Ersatzschulen ausdrücklich, eine Sonderung der Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern zu fördern. Das ist der Grund, warum seriöse Privatschulen ihr Schulgeld nach Einkommen staffeln und Ermäßigungen oder Stipendien anbieten. Fragen Sie danach beim Erstgespräch, ganz selbstverständlich, es ist kein Bittgang. Und rechnen Sie am Ende ehrlich über die Gesamtdauer: Zwölf oder dreizehn Jahre Schulgeld plus Nebenkosten ergeben schnell eine fünfstellige Summe. Ein Teil davon ist als Sonderausgabe steuerlich absetzbar, 30 Prozent des Schulgelds bis zu einem Höchstbetrag von 5.000 Euro pro Jahr und Kind, ohne die Anteile für Unterkunft, Betreuung und Verpflegung.

Sind Privatschulen besser? Was die Forschung dazu sagt

Die kurze Antwort: im Durchschnitt kaum. Die längere: Es kommt darauf an, was man vergleicht.

In Leistungsstudien schneiden Privatschüler tatsächlich oft besser ab als Schüler öffentlicher Schulen. Rechnet man aber heraus, aus welchen Familien sie kommen, also Bildungsstand und Einkommen der Eltern, schrumpft der Vorsprung stark zusammen oder verschwindet. Das ist seit Jahren der Befund, den Bildungsforscher etwa am Wissenschaftszentrum Berlin und an verschiedenen Universitäten immer wieder bestätigt haben. Privatschulen haben im Schnitt nicht den besseren Unterricht. Sie haben die motivierteren Elternhäuser, und die produzieren gute Noten an jeder Schule.

Was viele Privatschulen dagegen wirklich bieten können, ist etwas anderes: ein Konzept, hinter dem das ganze Kollegium steht, weil es sich dafür entschieden hat. Kleinere Klassen, das stimmt häufig, wenn auch nicht immer. Mehr Freiheit bei der Gestaltung des Tages, bei Schwerpunkten, beim Umgang mit Noten. Und eine Schulgemeinschaft, in der sich jede Familie aktiv für genau diese Schule entschieden hat, was der Atmosphäre gut tut.

Auf der anderen Seite: Privatschulen zahlen ihre Lehrkräfte häufig schlechter als der Staat, was die Personalgewinnung schwer macht und die Fluktuation erhöht. Sie sind bei kleinen Trägern von einzelnen Personen abhängig, ein Schulleiterwechsel kann eine Schule binnen zwei Jahren verändern. Die Schülerschaft ist sozial homogener, was Eltern oft als Vorteil empfinden und was für Kinder nicht unbedingt einer ist. Und auch an Privatschulen gibt es Unterrichtsausfall, Mobbing, schlechte Lehrkräfte und Mittelmaß. Das Schulgeld kauft keine Garantie.

Die Stärken der öffentlichen Schule, die man leicht übersieht

Öffentliche Schulen kosten nichts, liegen um die Ecke und bilden die Gesellschaft ab, in der Ihr Kind später arbeiten wird. Ihre Lehrkräfte sind voll ausgebildet und in der Regel verbeamtet, also bleiben sie. Es gibt etablierte Wege für Förderung, Nachteilsausgleich, Schulpsychologie. Und in vielen Städten gibt es staatliche Schulen mit Profilen, die jeder Privatschule standhalten: Musikzüge, bilinguale Klassen, MINT-Schwerpunkte, preisgekrönte Ganztagskonzepte.

Der Punkt, den ich Eltern immer wieder sage: Die Unterschiede innerhalb des öffentlichen Systems sind größer als der Unterschied zwischen öffentlich und privat. Es gibt öffentliche Gymnasien, die pädagogisch Lichtjahre vor der Privatschule zwei Straßen weiter liegen, und umgekehrt. Wer die Frage privat oder öffentlich stellt, stellt die falsche Frage. Die richtige lautet: Welche konkrete Schule in unserer Reichweite passt zu diesem Kind?

Wie die Aufnahme an einer Privatschule abläuft

Privatschulen wählen aus, und sie tun es früh. An gefragten Schulen beginnen die Verfahren mehr als ein Jahr vor dem Wechsel. Typisch ist die Folge Informationsabend, schriftliche Bewerbung, Gespräch mit Kind und Eltern, oft ein Probetag oder Schnupperunterricht. Entschieden wird selten nach Leistung allein. Häufiger geht es um Passung zum Konzept, um die Motivation der Familie, um die Zusammensetzung der Klasse; Geschwisterkinder haben fast überall Vorrang.

Bewerben Sie sich parallel an mehreren Schulen. Lassen Sie sich auf Wartelisten setzen, dort bewegt sich bis zum Sommer regelmäßig etwas. Und bereiten Sie Ihr Kind nicht wie auf eine Prüfung vor. Die Schulen wollen das Kind kennenlernen, nicht seine eingeübten Antworten, und erfahrene Aufnahmegespräche erkennen den Unterschied in zwei Minuten.

Woran Sie eine seriöse Privatschule erkennen

Weil private Träger so unterschiedlich arbeiten, lohnt ein prüfender Blick hinter die Fassade. Eine solide Schule sagt Ihnen offen, welchen rechtlichen Status sie hat und welche Abschlüsse ihre Schüler in den letzten Jahren tatsächlich erreicht haben. Sie hat eine schriftliche Beitragsordnung mit Einkommensstaffel statt einer Verhandlung im Büro der Schulleitung. Sie beantwortet die Frage nach der Fluktuation im Kollegium konkret, mit Zahlen. Sie erzählt Ihnen auch, was gerade nicht läuft, und wie sie es angeht. Ihr Schulvertrag regelt Probezeit, Kündigungsfristen und den Umgang mit Leistungs- oder Verhaltensproblemen fair und lesbar. Und sie hat einen Elternbeirat, der mehr ist als ein Kuchenverkauf-Komitee. Wenn mehrere dieser Punkte fehlen, wäre ich vorsichtig, egal wie schön die Website ist.

Der Weg zurück steht immer offen

Eine Sorge lässt sich vollständig ausräumen: Die Entscheidung für eine Privatschule ist kein Einbahnweg. Auf den Besuch der zuständigen öffentlichen Schule haben Sie immer Anspruch, ein Wechsel zurück ist grundsätzlich jederzeit möglich. Reibungen entstehen dort, wo das pädagogische Konzept weit vom Regelsystem abweicht, etwa bei spätem Notenbeginn oder einer anderen Fremdsprachenfolge. Fragen Sie das beim Aufnahmegespräch, gute Schulen antworten darauf konkret. Und auch der Wechsel in die andere Richtung, von der öffentlichen an eine private Schule, ist zu vielen Zeitpunkten möglich, klassisch zum Start der weiterführenden Schule oder der Oberstufe.

Zurück zum Elternabend und der Frage nach der Privaten. Die ehrliche Antwort darauf lautet nicht ja oder nein. Sie lautet: Braucht dieses Kind etwas, das die öffentlichen Schulen vor Ort nachweislich nicht bieten? Wenn ja, ist eine Privatschule eine ernsthafte, gute Option, die man sich sorgfältig anschauen sollte. Wenn nein, gibt es keinen Grund, Schulgeld zu zahlen, und viele Gründe, das Geld in Musikunterricht, Reisen oder einfach weniger Stress zu stecken. Wer den Vergleich für die zwei oder drei konkreten Schulen vor Ort ehrlich führt, private wie öffentliche, und dabei auch liest, was andere Eltern dort erlebt haben, hat die Entscheidung meist schon getroffen, bevor er sie ausspricht.

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