Internationale Schule in Deutschland: Für wen sie sich lohnt
Das Schulgeld liegt bei 18.000 Euro im Jahr, der Unterricht ist auf Englisch, die Klasse hat 16 Kinder aus elf Ländern, und der Abschluss heißt International Baccalaureate. Internationale Schulen faszinieren viele deutsche Eltern, und für einige von ihnen sind sie tatsächlich die richtige Wahl. Für die meisten, die sich mit dem Gedanken beschäftigen, sind sie es nicht, und der Grund dafür liegt nicht im Geld. Er liegt in der Frage, für wen diese Schulen gemacht sind.
Wofür internationale Schulen entstanden sind
Internationale Schulen gibt es in Deutschland vor allem in den Wirtschaftszentren: Frankfurt, München, Düsseldorf, Hamburg, Berlin, Stuttgart, dazu an Standorten großer Konzerne und internationaler Organisationen. Sie sind entstanden, um die Kinder von Familien zu unterrichten, die für einige Jahre nach Deutschland kommen und danach weiterziehen: Diplomaten, Manager, Wissenschaftler, Mitarbeiter internationaler Unternehmen. Für diese Kinder ist eine Schule, die auf Englisch unterrichtet, einem weltweit anerkannten Curriculum folgt und einen Abschluss vergibt, der in Singapur so gilt wie in São Paulo, die einzige sinnvolle Lösung. Sie wechseln alle drei Jahre das Land und brauchen Kontinuität, die kein nationales Schulsystem ihnen gibt.
In den letzten zwanzig Jahren haben internationale Schulen zunehmend deutsche Familien angezogen, die dauerhaft in Deutschland leben. Deren Motive sind andere: Zweisprachigkeit, kleine Klassen, ein modernes Curriculum, internationale Vernetzung, manchmal Unzufriedenheit mit dem deutschen System, manchmal Status. Für diese Familien ist die Frage schwieriger, denn sie kaufen eine Schule, die für eine andere Lebenssituation gebaut wurde.
Curriculum und Abschluss
Die meisten internationalen Schulen in Deutschland arbeiten nach dem Programm der International Baccalaureate Organization: dem Primary Years Programme für die Grundschule, dem Middle Years Programme für die Mittelstufe und dem IB Diploma für die letzten beiden Jahre. Das IB-Diploma ist ein anspruchsvoller Abschluss mit sechs Fächern, einem Extended Essay, einem Kurs zur Erkenntnistheorie und verpflichtendem sozialem Engagement. Einige Schulen bieten daneben britische Abschlüsse an, andere amerikanische High-School-Diplome mit Advanced Placement.
Der Punkt, den deutsche Eltern genau prüfen sollten: Das IB-Diploma wird in Deutschland als Hochschulzugangsberechtigung anerkannt, aber unter Bedingungen, die die Kultusministerkonferenz festgelegt hat. Verlangt werden bestimmte Fächerkombinationen, darunter zwei Sprachen, Mathematik, eine Naturwissenschaft und eine Gesellschaftswissenschaft, mit Mindestpunktzahlen. Wer das IB mit einer anderen Kombination macht, etwa ohne Naturwissenschaft auf höherem Niveau, kann in Deutschland ohne Anerkennung dastehen und muss Ergänzungsprüfungen ablegen. Gute Schulen kennen diese Regeln und beraten deutsche Familien früh. Fragen Sie ausdrücklich danach, und lassen Sie sich die Anerkennungsbedingungen schriftlich geben.
Dazu kommt die rechtliche Einordnung: Viele internationale Schulen sind Ergänzungsschulen, keine Ersatzschulen. Das heißt, sie unterliegen weniger staatlicher Kontrolle, erfüllen die Schulpflicht nur mit gesonderter Genehmigung, und ihre Abschlüsse sind keine deutschen Abschlüsse. Ein Kind, das nach der zehnten Klasse an eine deutsche Schule wechseln will, hat keinen mittleren Schulabschluss in der Hand, und die Einstufung wird zur Verhandlungssache. Was Ersatz- und Ergänzungsschulen unterscheidet, erklärt der Ratgeber Private oder öffentliche Schule.
Die Kosten
Internationale Schulen gehören zu den teuersten Schulen des Landes. Das Schulgeld liegt je nach Standort und Jahrgang zwischen 12.000 und 25.000 Euro im Jahr, in der Oberstufe an manchen Schulen darüber. Dazu kommen Aufnahmegebühren von mehreren tausend Euro, oft eine jährliche Entwicklungsgebühr, Kosten für Bus, Mittagessen, Material, Klassenreisen, die international sind und entsprechend teuer. Über die gesamte Schulzeit ergibt das eine Summe, die für die Familien, für die diese Schulen gedacht sind, der Arbeitgeber trägt. Für deutsche Familien, die selbst zahlen, ist es ein Betrag, den man gegen ein Haus rechnen kann. Die steuerliche Absetzbarkeit ist begrenzt, 30 Prozent bis 5.000 Euro im Jahr, und sie gilt nur für Schulen, deren Abschluss in Deutschland anerkannt wird. Die Regeln des Sonderungsverbots, die Ersatzschulen zu Sozialstaffeln verpflichten, gelten für Ergänzungsschulen nicht, und die meisten internationalen Schulen haben deshalb kaum Stipendien.
Was die Schulen wirklich bieten
Vieles, das an deutschen Schulen selten ist. Klassen von 15 bis 20 Kindern, hervorragende Ausstattung, Lehrkräfte aus vielen Ländern, ein Curriculum, das Projektarbeit, Präsentieren und kritisches Denken früh trainiert, echte Zweisprachigkeit, eine Schülerschaft, für die Verschiedenheit normal ist. Kinder, die dort aufwachsen, bewegen sich später mit einer Selbstverständlichkeit in internationalen Kontexten, die man nicht nachholen kann.
Und einiges, das man bedenken sollte. Die Fluktuation ist hoch, im Schülerkreis wie im Kollegium; Freunde ziehen nach drei Jahren weg, das ist für Kinder, die bleiben, eine wiederkehrende Erfahrung. Deutsch wird als Fach unterrichtet, aber nicht als Unterrichtssprache, und deutsche Kinder an internationalen Schulen erreichen im Deutschen oft nicht das Niveau ihrer Altersgenossen, was bei einem späteren Wechsel ins deutsche System oder einem Studium in Deutschland zum Problem werden kann. Die Schülerschaft ist sozial extrem homogen, und ein deutsches Kind aus einer Normalverdiener-Familie ist dort in jeder Hinsicht die Ausnahme. Und die Verwurzelung im Wohnort fehlt: Wer in Frankfurt lebt und die internationale Schule in einem anderen Stadtteil besucht, hat keine Klassenkameraden in der Nachbarschaft.
Für wen es sich lohnt
Für Familien, die absehbar ins Ausland gehen oder aus dem Ausland gekommen sind und die Kontinuität eines internationalen Curriculums brauchen. Für binationale Familien, in denen Englisch ohnehin Familiensprache ist und die Kinder in beiden Welten zu Hause sind. Für Familien, deren Kind ein Studium im englischsprachigen Ausland anstrebt, an Universitäten, die das IB kennen und schätzen. Und für Familien, die die Kosten ohne Einschnitte tragen können, denn ein Kind, das spürt, dass die Eltern sich für seine Schule verschulden, trägt eine Last, die keine Schule wert ist.
Weniger lohnend ist es für Familien, die eigentlich eine gute deutsche Schule mit Englischschwerpunkt suchen. Die gibt es: bilinguale Gymnasien mit englischsprachigem Sachfachunterricht ab Klasse 7, Schulen mit dem Abitur plus IB, Europaschulen mit durchgehend zweisprachigem Konzept, deutsch-englische Grundschulen in freier Trägerschaft. Sie kosten einen Bruchteil oder nichts, führen zu deutschen Abschlüssen und geben Kindern viel von dem, was Eltern an internationalen Schulen suchen. Wer den Vergleich ehrlich führt, landet oft dort.
Der Einstieg und der Ausstieg
Aufgenommen wird nach Gespräch und Test, oft mit Einstufung des Englischniveaus; Kinder ohne Englischkenntnisse werden an vielen Schulen bis etwa zur dritten Klasse aufgenommen und mit Förderprogrammen begleitet, danach wird es schwer. Umgekehrt ist der Ausstieg die eigentliche Frage, die deutsche Familien vorher klären sollten: Was passiert, wenn das Geld knapp wird, wenn die Schule nicht passt, wenn das Kind in der neunten Klasse ins deutsche System will? Ohne deutschen Abschluss, mit Deutsch als Fremdsprache und einem Curriculum, das nicht auf den deutschen Lehrplan passt, ist der Wechsel möglich, aber er kostet meist ein Jahr und viel Nachholarbeit. Wer weiß, dass die Kinder in Deutschland bleiben, sollte diese Tür nicht zu lange offenhalten, sondern die Entscheidung spätestens vor der Mittelstufe treffen.
Wie Sie prüfen
Fragen Sie nach der Anerkennung des Abschlusses in Deutschland, schriftlich. Fragen Sie nach dem Anteil deutscher Kinder und nach dem, was aus ihnen geworden ist. Fragen Sie nach der Fluktuation im Kollegium und nach der Qualifikation der Lehrkräfte, die an internationalen Schulen nicht das deutsche Staatsexamen brauchen. Fragen Sie nach dem Deutschunterricht und danach, wie die Schule Kinder unterstützt, die später ins deutsche System wechseln. Und lesen Sie, was Familien berichten, die den Weg gegangen sind, in den Erfahrungsberichten auf Schulerfahrung.com, wo internationale Schulen ebenso bewertet werden wie die Gesamtschule um die Ecke.
Die Klasse mit 16 Kindern aus elf Ländern ist eine großartige Schule für die Kinder, für die sie gebaut wurde. Für das Kind einer Frankfurter Familie, die nie umziehen wird, ist sie eine Entscheidung mit großen Kosten, spürbaren Nebenwirkungen und einem Nutzen, den eine gute bilinguale Schule zu einem Zehntel des Preises meist ebenso liefert. Beides sollte man wissen, bevor man den Aufnahmeantrag ausfüllt.
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