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Montessori-Schule: Konzept, Kosten und für wen sie passt

Hilf mir, es selbst zu tun. Dieser Satz eines Kindes, den Maria Montessori vor über hundert Jahren aufgeschrieben hat, ist bis heute das Leitmotiv einer Pädagogik, die in Deutschland an mehreren hundert Schulen und weit über tausend Kindergärten praktiziert wird. Und er beschreibt zugleich das, was Eltern beim ersten Besuch eines Montessori-Klassenraums irritiert: Es gibt keine Tafel vorn, keine Reihen von Bänken, kein Kind, das aufzeigt. Stattdessen sitzen Achtjährige auf Teppichen neben Sechsjährigen, ein Mädchen legt Perlenketten zu einer Rechenaufgabe, ein Junge liest an einem Tisch am Fenster, und die Lehrerin ist im ersten Moment gar nicht zu finden.

Wer Maria Montessori war und was sie wollte

Maria Montessori war eine der ersten Ärztinnen Italiens. Ab 1907 leitete sie in einem Armenviertel Roms ein Kinderhaus, und ihre Beobachtungen dort wurden zur Grundlage einer Pädagogik, die sich radikal am Kind orientiert. Ihre zentrale Idee: Kinder lernen von selbst, wenn man ihnen eine vorbereitete Umgebung gibt, in der sie frei wählen können, woran sie arbeiten, und wenn Erwachsene sie dabei begleiten, statt sie zu unterrichten. Montessori entwickelte dafür ein eigenes Lernmaterial, das man bis heute in jedem Montessori-Raum findet: die goldenen Perlen für das Dezimalsystem, die Sandpapierbuchstaben, die rosa Turm genannten Würfel, hunderte durchdachter Gegenstände, mit denen Kinder abstrakte Konzepte buchstäblich in die Hand nehmen.

Wie eine Montessori-Schule funktioniert

Das Herzstück ist die Freiarbeit. Zwei bis drei Stunden am Vormittag wählen die Kinder selbst, woran sie arbeiten, allein, zu zweit oder in kleinen Gruppen. Die Lehrkraft beobachtet, gibt einzelnen Kindern Einführungen in neues Material, greift ein, wenn ein Kind nicht ins Arbeiten kommt, und dokumentiert, was jedes Kind gemacht hat. Frei heißt dabei nicht beliebig. Der Rahmen ist eng gesteckt: Jedes Material hat seinen festen Platz, wird nach einem bestimmten Ablauf benutzt und wieder weggeräumt, und ein Kind, das wochenlang nur rechnet, wird behutsam zu anderen Bereichen geführt.

Die Klassen sind jahrgangsgemischt, meist drei Jahrgänge zusammen. Kinder lernen dabei voneinander, die Älteren erklären, die Jüngeren schauen zu, und jedes Kind ist in seiner Schulzeit einmal das Jüngste, das Mittlere und das Älteste einer Gruppe. Noten gibt es in der Grundschulzeit an den meisten Montessori-Schulen nicht, stattdessen Lernentwicklungsberichte und Pensenbücher, in denen festgehalten wird, was ein Kind beherrscht. Hausaufgaben im klassischen Sinn sind selten.

Anders als bei Waldorf gibt es bei Montessori keine geschlossene Weltanschauung im Hintergrund. Die Pädagogik ist eine Methode, und sie lässt sich mit sehr unterschiedlichen Schulen verbinden. Deshalb ist die Bandbreite groß: Es gibt Montessori-Schulen in freier Trägerschaft, staatliche Grundschulen mit Montessori-Zweig, katholische Montessori-Schulen, und es gibt Schulen, die das Etikett tragen und im Alltag wenig davon umsetzen. Die Bezeichnung ist nicht geschützt. Fragen Sie deshalb, ob die Lehrkräfte ein Montessori-Diplom haben, wie viele Stunden Freiarbeit es täglich gibt und ob das Material vollständig vorhanden ist. Das sind die drei Fragen, die eine echte Montessori-Schule von einer nominellen unterscheiden.

Grundschule, weiterführende Schule, Abschlüsse

Die meisten Montessori-Schulen in Deutschland sind Grundschulen, oft mit angeschlossener Sekundarstufe bis Klasse 10. Vollständige Montessori-Schulen bis zum Abitur gibt es, aber deutlich seltener. Wer sein Kind auf eine Montessori-Grundschule schickt, sollte deshalb früh wissen, wie es weitergeht: Wechselt das Kind nach Klasse 4 oder 6 an eine Regelschule, und wie bereitet die Montessori-Schule darauf vor? Der Übergang gelingt in der Regel gut, Montessori-Kinder sind oft selbstständiger und selbstbewusster als Gleichaltrige, aber die Umstellung auf Noten, Frontalunterricht und feste Stundenpläne ist eine echte Umstellung, und manche Kinder brauchen dafür ein halbes Jahr.

Die Abschlüsse an Montessori-Schulen mit Sekundarstufe sind die staatlichen: mittlerer Abschluss, an Schulen mit Oberstufe das Abitur, nach denselben Prüfungen wie überall. Die Sekundarstufe arbeitet dabei anders als die Grundschule, mit mehr Fachunterricht und Projekten, an manchen Schulen mit dem Erdkinderplan, Montessoris Idee, dass Jugendliche zwischen 12 und 15 in echten Zusammenhängen lernen sollten, im Betrieb, auf dem Bauernhof, in der Werkstatt.

Kosten

Staatliche Grundschulen mit Montessori-Zweig kosten nichts. Montessori-Schulen in freier Trägerschaft verlangen Schulgeld, meist zwischen 150 und 400 Euro im Monat, einkommensabhängig gestaffelt, dazu oft ein Aufnahmebeitrag und Kosten für Ganztag und Essen. Die Regeln des Grundgesetzes gelten hier wie überall: Keine Ersatzschule darf Kinder nach dem Einkommen der Eltern auswählen, und seriöse Schulen haben eine transparente Beitragsordnung mit Ermäßigungen. Was das für Ihre Entscheidung insgesamt heißt, behandelt der Ratgeber Private oder öffentliche Schule.

Für welche Kinder es passt

Montessori wird oft als Pädagogik für besonders selbstständige Kinder verkauft. Das ist nur die halbe Wahrheit. Die Freiarbeit tut Kindern gut, die ein eigenes Tempo haben, das im Gleichschritt der Regelschule untergeht: den schnellen, die sich langweilen, und den langsamen, die unter Druck blockieren. Sie tut Kindern gut, die sich in etwas vertiefen wollen, ohne nach 45 Minuten unterbrochen zu werden. Und sie tut Kindern gut, die durch Handeln lernen, weil das Material genau das ermöglicht.

Schwieriger wird es bei Kindern, die viel äußere Struktur brauchen, um überhaupt ins Arbeiten zu kommen. Gute Montessori-Lehrkräfte wissen das und geben diesen Kindern engere Rahmen, einen festen Arbeitsplan, klare Zeitfenster. Weniger gute überlassen sie der Freiheit, und dann verbringt ein Kind zwei Jahre damit, sich zu beschäftigen statt zu lernen. Fragen Sie beim Aufnahmegespräch konkret, wie die Schule mit einem Kind umgeht, das die Freiarbeit nicht zu nutzen weiß.

Was Kritiker sagen

Die Forschungslage ist gemischt und nicht so eindeutig, wie beide Seiten gern hätten. Es gibt Studien, die Montessori-Kindern Vorteile bei Selbstregulation, sozialen Fähigkeiten und intrinsischer Motivation bescheinigen, andere finden bei den Fachleistungen keine Unterschiede zu Regelschülern. Der Effekt hängt offenbar stark von der Umsetzungsqualität ab, was bei einer nicht geschützten Bezeichnung nicht überrascht. Kritisiert wird zudem, dass das klassische Montessori-Material aus einer Zeit vor Computern stammt und die Methode auf die digitale Welt erst spät reagiert hat, und dass die Elternschaft an Montessori-Schulen in freier Trägerschaft sozial sehr homogen ist.

Montessori-Zweig an der staatlichen Schule

Eine Zwischenlösung, die oft übersehen wird: In vielen Städten gibt es staatliche Grundschulen mit einem Montessori-Zweig oder einzelnen Montessori-Klassen, kostenlos, mit ausgebildeten Lehrkräften und echtem Material, aber eingebettet in eine Regelschule mit Noten ab Klasse 3 und dem normalen Übergang in Klasse 5. Für Familien, die das Konzept mögen, aber kein Schulgeld zahlen wollen oder den Anschluss an das Regelsystem nicht verlieren möchten, ist das häufig der beste Kompromiss. Fragen Sie beim Schulamt, ob es in Ihrer Stadt solche Zweige gibt; die Plätze sind meist begehrt, und die Anmeldung läuft über gesonderte Verfahren.

Wie Sie sich ein Bild machen

Hospitieren Sie in einer Freiarbeitsphase, das ist die einzige Möglichkeit, das Konzept wirklich zu sehen. Beobachten Sie, ob die Kinder arbeiten oder sich beschäftigen, ob die Lehrkraft in Bewegung ist oder am Tisch sitzt, ob das Material benutzt wird oder dekorativ im Regal steht. Sprechen Sie mit Eltern von Kindern, die die Schule schon verlassen haben, über den Übergang. Fragen Sie nach der Ausbildung der Lehrkräfte. Und lesen Sie, was andere Familien über die Montessori-Schulen in Ihrer Region berichten, denn nirgends klaffen Konzept und Umsetzung so oft auseinander wie hier, in beide Richtungen.

Und dann noch einmal zu dem Satz vom Anfang. Hilf mir, es selbst zu tun ist ein Anspruch an die Erwachsenen, nicht an die Kinder. Er fordert Eltern, die aushalten können, dass ihr Kind Umwege geht, langsamer ist als das Nachbarskind oder drei Wochen lang nur Perlenketten legt. Wer das kann, findet in einer guten Montessori-Schule etwas, das Regelschulen selten bieten. Wer es nicht kann, sollte ehrlich zu sich sein, bevor er sein Kind anmeldet. Die Frage ist am Ende weniger, ob Ihr Kind zu Montessori passt. Sie lautet, ob Sie es tun.

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