Website der Schule
Ich war vor fast 20 Jahren Schülerin an dieser Schule. Wenn ich heute, mit 29 Jahren, auf diese Zeit zurückblicke, bleibt leider vor allem eine sehr negative Erfahrung.
Ich wurde während meiner Schulzeit massiv gemobbt. Mir ist bewusst, dass eine Schule nicht verhindern kann, dass unter Schülerinnen und Schülern Mobbing entsteht. Was ich jedoch bis heute nicht nachvollziehen kann, ist der Umgang einiger Lehrkräfte damit. Es gab Situationen, in denen das Mobbing offensichtlich war und auch von Lehrkräften wahrgenommen wurde - unter anderem von meiner damaligen Klassenlehrerin. Trotzdem wurde nichts angesprochen und nichts unternommen. Als Kind habe ich mich damit allein gelassen und überhaupt nicht unterstützt gefühlt.
Besonders nachdenklich macht mich das heute, weil ich inzwischen selbst erwachsen bin und mir die Frage stelle, wie man als Lehrkraft sehen kann, dass ein Kind immer wieder ausgegrenzt und verletzt wird, und trotzdem einfach weitermacht, als wäre nichts passiert. Damals konnte ich das nicht verstehen. Heute noch weniger.
Hinzu kommt, dass mir gegen Ende meiner Realschulzeit eher davon abgeraten wurde, den Weg zum Abitur einzuschlagen. Mir wurde nahegelegt, lieber eine Ausbildung zu machen. An einer Ausbildung ist selbstverständlich nichts auszusetzen - aber ich hätte mir damals gewünscht, dass man mir mehr zutraut und mich in meinen Möglichkeiten bestärkt.
Ich habe mich letztendlich für das Gymnasium entschieden, mein Abitur gemacht, studiert und bin heute Ingenieurin und arbeite in einem der größten Unternehmen Deutschlands. Ich schreibe das nicht, um mich über meine damaligen Lehrerinnen und Lehrer zu stellen, sondern weil es rückblickend zeigt, wie wichtig es ist, jungen Menschen nicht vorschnell Grenzen aufzuzeigen.
Auf der heutigen Website der Schule bin ich auf den Beitrag „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ gestoßen. Grundsätzlich sind das natürlich Werte, die ich sehr wichtig finde. Gleichzeitig musste ich beim Lesen unweigerlich an meine eigene Schulzeit denken. Denn Courage bedeutet für mich auch, hinzuschauen, wenn jemand ausgegrenzt wird, und den Mut zu haben, etwas dagegen zu unternehmen.
Das alles liegt inzwischen viele Jahre zurück und belastet mich heute nicht mehr. Ich habe meinen eigenen Weg gemacht und bin mit meinem Leben sehr zufrieden. Trotzdem wollte ich diese Erfahrung einmal öffentlich festhalten, weil ich mir rückblickend gewünscht hätte, dass damals ein Erwachsener genauer hingeschaut und mir das Gefühl gegeben hätte: Du bist nicht allein und wir sehen, was hier passiert.
Meine Bewertung richtet sich deshalb weniger gegen die Schule als Institution, sondern gegen den Umgang mit meiner Situation durch einzelne Lehrkräfte. Ich hoffe, dass Schülerinnen und Schüler, die heute ähnliche Erfahrungen machen, mehr Unterstützung erfahren, als ich sie damals bekommen habe.
Unterricht: 2/5 · Ausstattung: 4/5 · Schulklima: 1/5 · Schulleitung: 2/5