Schulferien planen: Wie berufstätige Eltern zwölf Wochen überbrücken
Rechnen Sie einmal nach. Sommerferien sechs Wochen, Herbst zwei, Weihnachten zwei, Ostern zwei, Pfingsten oder Winter noch einmal ein bis zwei, dazu bewegliche Ferientage, Brückentage, Studientage, an denen das Kind zu Hause ist. Das ergibt zwölf bis vierzehn Wochen im Jahr, in denen eine Familie mit Schulkind eine Betreuung braucht, die es an der Schule nicht gibt. Berufstätige Eltern haben dreißig Urlaubstage, sechs Wochen. Selbst wenn beide Eltern ihren Urlaub vollständig getrennt nehmen und nie gemeinsam frei haben, fehlen noch zwei Wochen. Das ist die Rechnung, die in den meisten Familien niemand offen ausspricht, weil sie nicht aufgeht.
Die Lücke ehrlich ausmessen
Der erste Schritt ist Buchhaltung. Nehmen Sie den Ferienkalender Ihres Landes für das kommende Schuljahr und tragen Sie jede Woche ein, in der Schule ausfällt. Dann tragen Sie ein, was davon der Hort oder Ganztag abdeckt, und lesen Sie das Kleingedruckte: Viele Betreuungen schließen zwei oder drei Wochen im Sommer und zwischen den Jahren, manche haben in den Osterferien nur an drei Tagen offen. Dann tragen Sie den Urlaub beider Eltern ein, und Sie sehen, wie groß die Lücke wirklich ist. In den meisten Familien liegt sie bei drei bis fünf Wochen. Und in den meisten Familien wird sie jedes Jahr im Januar mit demselben Gefühl der Überraschung entdeckt.
Machen Sie diese Rechnung im Herbst für das kommende Jahr, nicht im Frühjahr. Denn die guten Lösungen für die Sommerferien sind bis Ostern vergeben.
Was Schulen und Kommunen bieten
Der Ganztagsanspruch, der seit 2026/27 stufenweise für Grundschulkinder gilt, schließt die Ferien ausdrücklich ein. Die Kommune muss eine Betreuung an fünf Tagen bereitstellen, mit einer Schließzeit von höchstens vier Wochen im Jahr. Wie das umgesetzt wird, ist sehr unterschiedlich: manche Kommunen bündeln die Ferienbetreuung an einer zentralen Schule für den ganzen Stadtteil, andere kooperieren mit Vereinen, wieder andere haben in den ersten Jahrgängen erst einmal Container aufgestellt. Fragen Sie im Hort oder in der Schulbetreuung konkret nach den Ferienöffnungszeiten für das ganze Jahr, nicht nur für die Sommerferien, und nach der Anmeldefrist. Sie liegt oft Monate vorher.
Daneben haben viele Städte und Landkreise Ferienprogramme, organisiert vom Jugendamt, von Stadtjugendring oder Volkshochschule, mit Tagesangeboten von Bastelwoche bis Zirkusprojekt. Sie sind oft günstig, manchmal kostenlos, und die Plätze gehen weg, sobald das Programm veröffentlicht wird, in vielen Städten im Frühjahr für den Sommer. Tragen Sie sich in die Verteiler ein, oder fragen Sie im Rathaus, wann das Programm erscheint.
Vereine, Kirchen, Anbieter
Sportvereine bieten in fast jeder Stadt Feriencamps an, oft eine Woche von 8 bis 16 Uhr, mit Fußball, Schwimmen, Klettern oder Reiten, für etwa 100 bis 250 Euro pro Woche mit Mittagessen. Kirchengemeinden organisieren Stadtranderholungen und Ferienspiele, meist sehr günstig und mit ehrenamtlicher Betreuung. Musikschulen haben Orchesterwochen, Museen und Theater Ferienworkshops, Naturschutzverbände Waldcamps. Kommerzielle Anbieter füllen den Rest, mit Programmier-, Sprach- oder Abenteuercamps, deren Preise schnell bei 300 bis 500 Euro pro Woche liegen. Die Qualität schwankt bei allen, und die verlässlichste Quelle sind andere Eltern: Fragen Sie in der Klasse, welche Camps die Kinder im letzten Jahr gut fanden und welche nicht.
Für ältere Kinder, ab etwa zwölf, sind Ferienfreizeiten mit Übernachtung eine Option, von Jugendherbergswerk, Pfadfindern, Sportjugend oder kirchlichen Trägern, oft eine bis zwei Wochen für einen Preis, der pro Tag unter dem eines Tagescamps liegt. Für die Familie sind das zwei Wochen ohne Betreuungsfrage, für das Kind oft die besten Wochen des Jahres.
Die private Lösung
Großeltern sind in vielen Familien die tragende Säule der Ferienbetreuung, und sie sind eine großartige Lösung, solange sie es wollen und können. Fragen Sie früh und konkret, mit Datum, statt mit der Erwartung, dass es sich schon irgendwie ergibt. Großeltern, die eine Woche im Sommer und eine in den Herbstferien fest zugesagt haben, sind entspannter als solche, die im Juni erfahren, dass sie ab Montag gebraucht werden.
Und dann gibt es die Nachbarschaftslösung, die unterschätzt wird: drei oder vier Familien aus der Klasse, die ihren Urlaub versetzt nehmen und die Kinder der anderen mitbetreuen. Eine Woche mit vier Kindern zu Hause ist anstrengend, aber machbar, und im Tausch bekommt man drei Wochen, in denen das eigene Kind versorgt ist. Das Modell funktioniert, wenn man es im Herbst für das ganze Jahr verabredet und nicht spontan am Ferienbeginn.
Was der Arbeitgeber kann
Mehr, als viele Eltern fragen. Homeoffice in Ferienwochen ist inzwischen in vielen Unternehmen verhandelbar, und ein Kind, das im Nebenraum ein Hörbuch hört, ist für ein paar Tage im Jahr eine Lösung, die keinen Urlaubstag kostet. Manche Arbeitgeber bieten Ferienbetreuung für Mitarbeiterkinder an, direkt oder über Kooperationen mit Anbietern; fragen Sie in der Personalabteilung, oft steht das irgendwo, was niemand liest. Eine Reduktion der Arbeitszeit in den Sommerferien, ausgeglichen durch Mehrarbeit im Herbst, ist in vielen Betrieben mit Arbeitszeitkonten möglich. Und Eltern von Kindern unter acht Jahren haben in Deutschland einen Anspruch auf Teilzeit während der Elternzeit, die bis zum achten Geburtstag aufgeteilt werden kann; ein Teil der Elternzeit lässt sich also gezielt in Sommerferien legen, wenn man das früh plant und beantragt.
Was nicht geht, sollte man auch wissen: Kinderkrankentage gibt es nur für kranke Kinder, nicht für Ferien, und wer sie zweckentfremdet, riskiert mehr als einen unangenehmen Anruf.
Die Kosten im Blick
Ferienbetreuung ist teuer, und sie trifft Familien in denselben Wochen, in denen der Urlaub schon bezahlt wird. Fragen Sie deshalb nach Ermäßigungen: Städtische Programme staffeln nach Einkommen, Vereine haben Geschwisterrabatte, für Familien mit Bürgergeld oder Wohngeld übernimmt das Bildungs- und Teilhabepaket Ferienfreizeiten mit Übernachtung vollständig und Tagesangebote teilweise. Manche Bundesländer haben Familienpässe oder Ferienpässe, mit denen Eintritte und Angebote in den Ferien günstiger werden. Und die Kosten für Betreuung von Kindern bis 14 Jahren, auch die Ferienbetreuung, sind zu zwei Dritteln bis 4.000 Euro im Jahr als Sonderausgaben absetzbar, wenn sie unbar bezahlt werden und eine Rechnung vorliegt. Das gilt für den Hort ebenso wie für das Sportcamp, nicht aber für Freizeitangebote ohne Betreuungscharakter, also nicht für den Reitkurs, wohl aber für das Reitcamp mit Ganztagsbetreuung. Die Abgrenzung ist im Einzelfall Sache des Finanzamts, es lohnt sich, alle Rechnungen zu sammeln.
Ein Jahresplan, der funktioniert
Im Herbst: Ferienkalender ausdrucken, Lücke ausmessen, Großeltern und Nachbarschaft fragen, Urlaub beider Eltern versetzt eintragen. Im Januar: Ferienbetreuung des Horts für alle Ferien anmelden, Stadtprogramm im Blick behalten, Arbeitgeber wegen Homeoffice und Arbeitszeitkonto ansprechen. Im Frühjahr, sobald die Programme erscheinen: Sommercamps buchen, Freizeiten für ältere Kinder reservieren. Vor jeden Ferien: Wochenplan mit dem Kind besprechen, damit es weiß, was kommt, denn Kinder vertragen Wechsel zwischen Camp, Oma und Homeoffice-Tagen gut, wenn sie sie kennen, und schlecht, wenn jeden Morgen neu entschieden wird.
Und ein Gedanke, der in der Betreuungslogistik oft verloren geht: Kinder brauchen auch leere Tage. Eine Woche im Sommer, in der nichts geplant ist, in der man sich langweilen, herumliegen, mit dem Nachbarskind eine Bude bauen darf, ist für ein Schulkind so wichtig wie jedes Camp. Wenn Sie es einrichten können, planen Sie eine solche Woche fest ein, mit demselben Ernst wie die Betreuung.
Die Rechnung vom Anfang geht auch dann nicht auf. Aber sie geht besser auf, wenn man sie im Herbst macht statt im Juni, und wenn man alle Bausteine kennt, die es gibt. Was der Ganztag im normalen Schulalltag leistet und was Sie beim Betreuungsmodell beachten sollten, steht im Ratgeber Ganztagsschule: Vor- und Nachteile; wie andere Familien die Ferienbetreuung an ihrer Schule erleben, lesen Sie in den Erfahrungsberichten auf Schulerfahrung.com, wo die Frage nach den Schließzeiten erstaunlich oft auftaucht.
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