Grundschule anmelden: Fristen, Unterlagen, Ablauf
Der Brief des Schulamts kommt in der Regel gut ein Jahr vor dem ersten Schultag und meist ohne Vorwarnung. Darin finden Sie einen Termin, eine Liste der erforderlichen Unterlagen und den Namen der für Ihre Adresse zuständigen Schule. Für die meisten Eltern ist dies der Moment, in dem die Einschulung von einer vagen Zukunft zu einem konkreten Verwaltungsvorgang wird. Der Vorgang selbst ist überschaubar. Was Eltern Nerven kostet, ist die Unsicherheit darüber, was genau passiert, wann es passiert und was sie beeinflussen können.
Wer eingeschult wird
Ein Kind wird in dem Jahr schulpflichtig, in dem es vor einem bestimmten Stichtag sechs Jahre alt wird. Diesen Stichtag legt jedes Bundesland selbst fest. Er ist eine der wenigen Stellen im Anmeldeverfahren, an denen sich die Länder unterscheiden. Viele Länder, darunter Baden-Württemberg, Hessen, Schleswig-Holstein und die meisten östlichen Länder, haben sich auf den 30. Juni verständigt. Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Berlin und Brandenburg schulen alle Kinder ein, die bis zum 30. September sechs Jahre alt werden. Niedersachsen erlaubt den Eltern von Kindern, die zwischen Juli und September Geburtstag haben, die Einschulung mit einer formlosen Erklärung bis zum 1. Mai um ein Jahr zu verschieben. Bayern hat für Kinder mit Geburtstag zwischen Juli und September einen Einschulungskorridor eingeführt: Nach einer Beratung können die Eltern selbst entscheiden, ob ihr Kind jetzt oder ein Jahr später eingeschult wird. Rheinland-Pfalz liegt mit dem 31. August dazwischen.
Der Stichtag entscheidet darüber, welche Kinder als Muss-Kinder verpflichtend eingeschult werden und welche als Kann-Kinder auf Antrag der Eltern früher eingeschult werden können. Sowohl die vorzeitige Einschulung als auch die Rückstellung eines Muss-Kindes sind eigene Themen mit eigenen Regeln, die der Ratgeber Kann-Kinder und Rückstellung behandelt.
Der Zeitplan zur Einschulung
Die Schulanmeldung findet in vielen Ländern zwischen Oktober und Dezember, also im Herbst vor der Einschulung, statt. Das Schulamt oder die zuständige Grundschule lädt schriftlich mit einem konkreten Termin oder einem Terminfenster ein. In einigen Ländern erfolgt die Einladung bereits im Frühjahr des Vorjahres, also rund 15 Monate vor dem ersten Schultag. Niedersachsen lädt beispielsweise meist im April ein, Berlin im Herbst und einige süddeutsche Kommunen erst im Frühjahr des Einschulungsjahres. Der im Brief genannte Termin ist verbindlich. Wer ihn versäumt, sollte umgehend anrufen, denn die Anmeldung ist Pflicht und kein Angebot.
Zwischen Anmeldung und Einschulung liegt in manchen Ländern die Schuleingangsuntersuchung durch das Gesundheitsamt, in anderen ist sie vor der Anmeldung. Sie ist in den meisten Ländern verpflichtend und umfasst die Prüfung von Sehen, Hören, Sprache, Motorik, Körpergröße und Gewicht sowie des Impfstatus. Bestehen muss man sie nicht. Es handelt sich um eine Vorsorgeuntersuchung, die Auffälligkeiten früh erkennen soll. Wer dort Hinweise auf Förderbedarf erhält, hat noch ein halbes Jahr Zeit, um etwas zu unternehmen.
Im Frühjahr laden viele Schulen zu Kennenlerntagen, Schnupperstunden oder Elternabenden für die künftigen Erstklässler und ihre Eltern ein. Die Klasseneinteilung erfolgt in der Regel kurz vor den Sommerferien und die Einladung zur Einschulungsfeier wird im Juli oder August per Post verschickt. Und dann steht das Kind mit der Schultüte auf dem Schulhof.
Was Sie zur Anmeldung mitbringen
Die Liste steht im Einladungsschreiben und ist überall ähnlich. Benötigt werden die Geburtsurkunde des Kindes oder das Familienstammbuch. Außerdem benötigen Sie Ihren Personalausweis und einen Nachweis über Ihren Wohnsitz, in der Regel die Meldebescheinigung. Zudem benötigen Sie den Nachweis über den Masernschutz, der seit März 2020 für alle Kinder Pflicht ist, die in eine Schule aufgenommen werden. Ohne diesen Nachweis ist eine Einschulung nicht möglich und er wird spätestens bei der Einschulung geprüft. Bei getrennt lebenden Eltern ist der Nachweis über das Sorgerecht erforderlich, da beide Sorgeberechtigten der Anmeldung zustimmen müssen. Falls vorhanden, sind auch Unterlagen aus der Kita, Ergebnisse des Sprachtests, Gutachten zu Entwicklungsverzögerungen oder Förderbedarf erforderlich. In vielen Ländern ist außerdem ein ausgefülltes Anmeldeformular erforderlich, das dem Brief beiliegt oder online bereitsteht.
In den meisten Ländern kommt das Kind mit zur Anmeldung. Die Schule führt ein kurzes Gespräch mit dem Kind, das oft spielerisch gestaltet ist und Elemente wie Malen, Zählen und Erzählen umfasst. Dies ist keine Aufnahmeprüfung und Ihr Kind kann nichts falsch machen. Die Schule verschafft sich damit einen ersten Eindruck, um die Klassen zusammenzustellen und einen möglichen Förderbedarf frühzeitig zu erkennen. Bereiten Sie Ihr Kind nicht vor, sondern erzählen Sie ihm, dass es die Schule anschauen darf.
Die Sprache
In fast allen Bundesländern gibt es eine Sprachstandsfeststellung, die anderthalb bis zwei Jahre vor der Einschulung erfolgt. In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen wird sie über die Kitas durchgeführt, in Hamburg findet sie als Vorstellung der Viereinhalbjährigen an der Schule statt und in Bayern wird ein Sprachscreening durchgeführt. Kinder, die einen Förderbedarf im Deutschen aufweisen, erhalten eine verpflichtende Sprachförderung, entweder in der Kita oder in Vorlaufkursen an der Schule. Manche Eltern empfinden dies als Sanktion. Es ist eine der wirksamsten Maßnahmen des Systems und Eltern sollten sie annehmen, auch wenn das Kind zu Hause fließend spricht. Denn fließend zu Hause und schulsprachlich sicher sind zwei verschiedene Dinge.
Welche Schule?
In den meisten Ländern ist die Grundschule Ihres Schulbezirks für die Anmeldung zuständig und im Regelfall auch die Schule, an der Ihr Kind eingeschult wird. Wenn Sie eine andere Schule wünschen, müssen Sie spätestens zur Anmeldung einen Antrag mit nachvollziehbarer Begründung beim Schulamt stellen. Die Aussichten hängen vom Land, von der Begründung und von den freien Plätzen ab. In Nordrhein-Westfalen gibt es keine festen Bezirke mehr. Dort melden Eltern ihre Kinder direkt an der Wunschschule an. Bei Überhang entscheidet die Schule nach Kriterien wie Wohnortnähe und Geschwistern. Welche Kriterien bei der Auswahl zählen und wie ein solcher Antrag gute Chancen bekommt, beschreibt der Ratgeber Die richtige Grundschule finden.
Wer sein Kind an einer Schule in freier Trägerschaft, beispielsweise an einer konfessionellen, einer Montessori- oder einer Waldorfschule, anmelden möchte, muss zwei Dinge wissen. Erstens laufen die Anmeldeverfahren dieser Schulen unabhängig vom staatlichen Verfahren früher, oft schon ein Jahr vor der offiziellen Anmeldung. Zweitens muss das Kind trotzdem an der zuständigen staatlichen Schule angemeldet werden, falls die Zusage der Privatschule zum Anmeldetermin noch nicht vorliegt. Die Abmeldung erfolgt dann später mit der Aufnahmebestätigung der Privatschule. Wer das versäumt, steht im schlimmsten Fall im Sommer ohne Platz da.
Ganztag, Hort und die Fragen, die man bei der Anmeldung stellen sollte
Die Anmeldung ist der erste Kontakt mit der Schule als Institution. Nutzen Sie diesen Moment, um Fragen zu stellen, die später schwer nachzuholen sind. Wie funktioniert die Betreuung nach dem Unterricht und muss ich mein Kind dafür gesondert anmelden? An vielen Schulen ist das der Fall, und die Anmeldefristen für den Hort oder den offenen Ganztag laufen parallel zur Schulanmeldung. Dafür gibt es eigene Formulare bei den jeweiligen Trägern. Wie sieht die Ferienbetreuung aus? Gibt es Vorlaufkurse oder Förderangebote vor der Einschulung? Wann erfahren wir die Klasseneinteilung und können wir Wünsche äußern, etwa zu einem Freund aus der Kita? Viele Schulen berücksichtigen einen Wunsch, aber keine zehn. Seit dem Schuljahr 2026/27 gilt außerdem stufenweise ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder, beginnend mit den ersten Klassen. Die Frage, wie die Kommune diesen umsetzt, gehört auf Ihre Liste.
Drei Dinge, die schiefgehen, und wie Sie sie vermeiden
Erstens: Der Termin wird verpasst, weil der Brief im Werbestapel gelandet ist. Rufen Sie uns bitte umgehend an, sobald Ihnen der Fehler auffällt. Die Schulen haben Nachtermine, aber je später Sie kommen, desto geringer ist der Spielraum bei der Klasseneinteilung und der Vergabe von Betreuungsplätzen.
Zweitens fehlt der Masernnachweis, weil das Impfbuch verschwunden ist. Ihre Kinderärztin kann die Impfungen jedoch bestätigen und bei Unklarheit den Titer bestimmen oder nachimpfen. Kümmern Sie sich bitte vor der Anmeldung darum und nicht am Tag der Einschulung.
Drittens fehlt ein Elternteil. Bei gemeinsamem Sorgerecht müssen beide der Anmeldung zustimmen. Wer allein kommt, braucht entweder eine schriftliche Vollmacht des anderen Elternteils oder einen Nachweis des alleinigen Sorgerechts. Getrennt lebende Eltern sollten dies vorher klären, denn die Anmeldung ist kein Ort, an dem man das ausdiskutieren möchte.
Wenn Sie zwischen der Anmeldung und der Einschulung umziehen, gilt die neue Adresse. Melden Sie diese dem Schulamt, sobald der Termin feststeht. Der Ratgeber Schulwechsel nach Umzug beschreibt, was dann passiert.
Zurück zum Brief des Schulamts. Er ist der Startschuss für ein Jahr, in dem zwar viel passiert, aber nichts Kompliziertes auf Sie wartet. Es gilt, Termine wahrzunehmen, Unterlagen vollständig mitzubringen, die Untersuchung zu erledigen und die Betreuung parallel anzumelden. Bei Wunsch- oder Privatschulen sollte man früh beginnen. Der Rest ist Vorfreude – und die sollte man sich nicht durch Verwaltungsangst nehmen lassen.
Wie war es vor der Einschulung? Kita bewerten:
Vor der Einschulung war Ihr Kind sicherlich in einer Kita untergebracht. Welche Erfahrungen haben Sie dort gemacht? Neben unserer Plattform für Schulbewertungen betreiben wir auch eine Plattform für Kita-Bewertungen. Mit Ihrer Hilfe entsteht ein Netzwerk für alle Eltern mit Schul- und Kitabewertungen. Wie immer gilt: Suchen Sie die Schule oder Kita auf Kitaerfahrung.com und schreiben Sie eine Bewertung.
Wie ist die Schule vor Ort wirklich?
Finde deine Schule und lies echte, verifizierte Erfahrungen von Eltern und Schülern.
Schule finden